Diethelm Damm zum 70.

20. Januar 2014

Dieser Tage gilt es einen Mann zu ehren, ohne den die Jugendarbeitsszene nicht nur in Hessen deutlich ärmer wäre. Als Anreger, Gründer, Berater, Begleiter oder Mitwirkender war und ist Diethelm Damm für zahlreiche soziale Institutionen und Projekte von unschätzbarer Bedeutung. So haben viele Menschen, Vereine, Einrichtungen und Projekte Grund, ihm für sein Wirken, seine Arbeit und sein Engagement zu danken.

DD3Diethelm Damm bezog wesentliche Impulse aus seiner Sozialisation und seinem Wirken im Bund Deutscher Pfadfinder (BDP) in der noch recht jungen Bundesrepublik. In diesem Zusammenhang erlebte er die die Auswirkungen der sozialen Bewegungen der 60er Jahre und den Diskurs über die Frage „Was ist Jugendarbeit?“. Nach dem Auseinanderfallen des BDP im Zuge der zunehmenden Pädagogisierung und Politisierung des Verbandes war er entscheidend daran beteiligt, den BDP neu aufzustellen als eine Organisation moderner bedürfnisorientierter Jugendarbeitsansätze.

Im Rahmen seiner Tätigkeit für den Hessischen Jugendring wirkte er in den 70er Jahren wesentlich an der Entstehung und Formulierung des Hessischen Jugendbildungsförderungsgesetzes – heute noch Grundlage der Förderung der Jugendarbeit in Hessen – sowie des Hessischen Bildungsurlaubsgesetzes mit.

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Den größten Teil seines Berufslebens arbeitete er für das Deutschen Jugendinstitut (DJI). Dabei verstand er seine Rolle nicht als bloßer Forscher, der sich seinem jeweiligen Forschungsgegenstand von außen näherte, sondern er war stets aktiver Handlungsforscher, der anregte, mitwirkte und gestaltete. Er begleitete Jugendclubs, Jugendzentren und Jugendinitiativen. Er wurde zu einer „Drehpunktperson“ nicht nur der hessischen Jugendarbeitsszene. Sein Buch „Politische Jugendarbeit – Grundlagen, Methoden, Projekte“, in dem er 1975 sein Konzept der Bedürfnisorientierung als Aufgabe einer politischen, auf gesellschaftliche Emanzipation zielenden Jugendarbeit formulierte, hatte großen Einfluss auf die Jugendarbeitsdiskussion jener Zeit. Seine Formulierungen zu den Bedürfnissen junger Menschen erinnern an heutige Konzepte wie der Salutogenese: Etwas Bewirken zu wollen, Orientierung zu finden, Anregung, soziale Anerkennung, Selbstbestimmung waren wesentliche Schlagworte („Selbstbestimmen macht Spaß!“ war denn auch das Motto des „neuen“ BDP). Sein Konzept führte er anhand seiner Erfahrungen in und mit mehreren Jugendinitiativen und –clubs in den Büchern „Die Praxis bedürfnisorientierter Jugendarbeit“ (1980) und „Wenn der Alltag zur Sprache kommt. Die Lebenswelt der Jugendlichen als Inhalt der Jugendarbeit“ (1981) weiter aus.

Die Beschäftigung mit den Alltagsproblemen der von ihm begleiteten Jugendlichen führte Anfang der 80er Jahre, im Zuge zunehmender Jugendarbeitslosigkeit, zu der Frage nach sinnvollen Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten. So entstanden im Umfeld des BDP mehrere Ausbildungsprojekte, angeregt und unterstützt von Diethelm Damm und einigen Mitstreitern. Dieses Engagement schlug sich 1985 auch in zwei Büchern nieder: „Berufsausbildung selber organisieren. Handbuch für Ausbildungsinitiativen“ (zusammen mit Georg Müller und Beate Rottmann) sowie „Arbeitsplätze selber schaffen, finanzieren und behalten“ (zusammen mit Harald Bischoff).

1979 hatte eine Anfrage aus dem Anspacher Jugendzentrum dazu geführt, dass mit der Gemeinde Neu-Anspach Verhandlungen aufgenommen wurden, die schließlich zur Gründung und zum Aufbau der Bildungsstätte Alte Schule Anspach führten. Ohne Damms Vision, seine Unterstützung bei der Konzeptentwicklung, seine Kontakte zu Ministerien und Stiftungen hätte der Aufbau der Bildungsstätte schwerlich gelingen können. Konzeption und Entwicklung dieses von ihm damals so genannten „Jugendarbeitszentrums“ und die Erfahrungen mit und in einem Ausbildungsprojekt beschrieb und analysierte Diethelm Damm in dem Buch „Jugendarbeit in selbstorganisierten Initiativen. Praxiserfahrungen und Projektentwicklung“ (1993).

Die Erfahrungen mit der Finanzierung von solchen und anderen Projekten und Initiativen gab er in vielen Seminaren und verschiedenen Beiträgen, Aufsätzen und Büchern wieder. Besonders wichtig war und wurde dieses Wissen mit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten, als in den neuen Bundesländern eine Reihe von Initiativen und Projekten entstanden, die ein Vakuum von sozialen Unterstützungsangeboten zu füllen versuchten. Das Konzeptions- und Finanzierungswissen von Diethelm Damm und etlichen Mitstreiter(innen) war für viele Projekte im "nahen Osten" von unschätzbarem Wert.

Zusammen mit einigen Mitstreitern gründete Diethelm Damm in dieser Zeit das „Institut für Selbstorganisation“ (ISO), die Initiative „Cash-Coop“, wirkte bei der Gründung der „BASA-Stiftung zur Förderung von Jugendarbeit und Jugendforschung“ mit und gründete schließlich (zusammen mit Bernhard von Mutius) die Bundesinitiative „Unternehmen: Partner der Jugend“ (UPJ); es ging ihm darum, nicht nur öffentliche Stellen, sondern auch Unternehmen für die Unterstützung von Projekten der Jugendarbeit zu sensibilisieren und zu gewinnen.

DD KM 2011Neben der Unterstützung der Vernetzung von Initiativen (bis hin zur Förderung gegenseitigen Unterstützung auch bei Liquiditätsengpässen) arbeitet Diethelm Damm auch heute noch in vielen Initiativen und Projekten ehrenamtlich mit, so im Vorstand von UPJ, der Bildungsstätte Alte Schule Anspach und der BASA-Stiftung zur Förderung von Jugendarbeit und Jugendforschung. Er ist Vorsitzender des ISO und darüber Koordinator des hessischen Servicebüros von UPJ. Neben seinen Schwerpunkten Networking und Fundraising engagiert er sich auch nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben sozusagen als Vollzeitehrenamtler, er berät und unterstützt und wird bei Krisen „seiner“ Projekte auch sehr aktiv tätig. Seit einigen Jahren widmet er sich sehr intensiv als Vorsitzender dem Verein „Hilfe Zur Selbsthilfe e.V.“, der u.a. Träger der Krebsmühle ist, einem Ort, an dem verschiedene Projekte, ein Restaurant und Läden zu finden sind: ein Projekt, das aus einer Arbeitslosenselbsthilfe der 70er Jahre hervorgegangen ist und seit langem von ihm begleitet wird. Bei all diesem Engagement bleibt ihm zu wünschen, dass er bald Gelegenheit finden möge, ein wenig kürzer zu treten.

An diesem Montag wird Diethelm Damm 70 Jahre alt. Auch wenn er selbst diesen Tag nicht feiern möchte: Wir gratulieren ihm sehr herzlich und wünschen ihm noch viele produktive Jahre – aber mit deutlich mehr Gelegenheit zu Muße und Ruhe, als ihm vielleicht in letzter Zeit vergönnt war.

Heinz Hoffmann, basa e.V.         


Neulich, vor gerade mal 30 Jährchen, hat uns Diethelm mit Rat und Tat geholfen, den Werkhof auf die Welt zu bringen und hat damals die Herren Philippus und Faul vom Wirtschaftsministerium so lange mit guten, geduldigen Worten überredet, bis auf diese Weise unser erstes Ausbildungsprojekt zustande kam. Seither begleitet uns Diethelm als BDPler mit vielen hilfreichen Tipps und Ideenaustausch auf kreativen und gut gelaunten Projektetreffen. Wir haben Diethelm und seiner freundlichen Solidarität viel zu verdanken und wünschen ihm einen schönen, runden 70. Geburtstag in hoffentlich auch weiterhin guter Gesundheit und vielen weiteren gemeinsamen Projektetreffen.

Die Belegschaft des Werkhof Darmstadt e.V.


Meine erste Erinnerung an Diethelm und eine sehr dichte Zeit mit ihm spielt sich unter dem Dach des Hauses in der Hamburger Allee 49 [in Frankfurt] ab, wo sich der Landes- und der Bundesverband des BDP der 70er Jahre eingenistet hatten. Dort traf ich Diethelm kurz nach meiner Übernahme einer halben Stelle als Bildungsreferent des BDP. Von Diethelm fühlte ich mich sehr aufgenommen und stellte schon nach kurzer Zeit fest, dass er die treibende und vor allem visionäre Kraft im hessischen BDP in jener Zeit war. Bei den folgenden Meetings im Jugendhof Bessunger Forst gelang ihm immer wieder, die kleinen Alltagsprobleme dieses Verbandes – mit seiner breiten Verortung in Bewegungsmilieus, vor allem bei den Jugendzentristen – mit den großen Fragen einer politischen Zukunft zu verbinden. Für die Fragen der Revolution führte Diethelm das Synonym X ein und legte bald danach das legendär gewordene X-Papier dem Landesarbeitsausschuss vor. Der Neu-Aufbau des BDP Hessen nahm forthin seinen Lauf ….  

Prof. Dr. Achim Schröder
FB Gesellschaftswissenschaften und Soziale Arbeit
Hochschule Darmstadt


(Ich war eben mit meinen Männern im Kino im Hobbit - Smaugs Einöde:)
Diethelm erinnert mich eindeutig an Gandalf den Grauen und Weisen, der die Zwerge und Hobbits als kluger Gefährte mit Weitsicht auf ihren Wegen durch Höhlen und Gebirge begleitet und im Notfalle immer etwas überraschendes zaubert. Und genau das stellte und stellt er für mich dar. Möge ihm die magische Kiste nicht ausgehen.

Sabine Conti


Lieber Diethelm,

ich kenne Dich, seit ich Anfang 1992 in der Bildungsstätte Alte Schule Anspach meine ersten Schritte als hauptamtliche Bildungsreferentin tat. Seitdem kreuzten sich unsere Wege in der allerschönsten Regelmäßigkeit. Dass ich seitdem das Arbeiten in professioneller Selbstverwaltung ausführlich kennen lernen durfte und mich in einem breiten, meist solidarischem Netz aus Bewegungen und Bewegten mitbewegen durfte, ist ganz gewiss nicht zuletzt auch Deiner umsichtigen Gestaltung der Projektlandschaft zu verdanken. So häufig, wenn man auf interessante Menschen trifft, hat man gleich einen gemeinsamen Bekannten, Dich!

An Deinem 70., lieber Diethelm, gratuliere ich einem Menschen, der mit einem erstaunlichen pragmatischen Talent Visionen möglich macht. Und der so uneitel ist, dass es verblüfft – aber oft genug am rechten Ort zur rechten Zeit, wenn Unterstützung gebraucht wird. Ich wünsche Dir alles Gute und noch viele fröhliche und gesunde Jahre.

Bärbel Bimschas, basa e.V.


In Nordhessen arbeitete der BDP Anfang der 80er Jahre daran, Jugendlichen in selbstverwalteten Betrieben eine Zukunft in der Region zu ermöglichen. Als Startphase für solche Betriebe dienten zwei Ausbildungswerkstätten: Als Erste 1983 die Ausbildung zu Maler- und Lackiererinnen in Felsberg-Gensungen, in der ausschließlich junge Frauen die für Fachwerksanierung nötigen Handwerkstechniken lernten. Das im Zuge des Projekts erhaltene und sanierte Fachwerkhaus ist heute die BDP-Bildungsstätte Vogt’scher Hof.

1984 gründeten wir die Jugendwerkstatt Felsberg, in der die Jugendlichen in der Ausbildung zu EnergieanlagenelektronikerInnen die notwendigen Kenntnisse erlernten, um ab 1988 den Betrieb Soltronic zu führen, der im Bereich erneuerbare Energien arbeitete.

Diethelm war uns beim Aufbau und in der Durchführung ein unersetzlicher Berater, insbesondere seine Unterstützung in der Finanzierung war für uns wesentlich. Durch seine Unterstützung kamen die Förderungen des Hess. Wirtschaftsministeriums, der Stiftung Deutsche Jugendmarke, Modellprojekte der EU (bereits ab 1985, als fast noch niemand wusste, dass es dort Geld für uns gibt!) und ab 1989 auch Modelle gefördert durch das Bundesjugendministerium zustande.

Es wurden also ungewohnt große Finanzsummen bewegt, und deswegen war mindestens genauso wichtig seine Hilfe bei der Zwischenfinanzierung dieser Projekte: Er war der Koordinator und Garant innerhalb eines solidarischen Zwischenfinanzierungsfonds auf niedrigstem Zinsniveau. Und schließlich ebnete er uns den Weg zu einer GLS-Leihgemeinschaft ab 1986.

Manchmal wurde uns ein wenig schwindelig bei diesen für uns völlig ungewohnt großen Geschäften. Einige von uns lasen zu dieser Zeit den kleinen Hobbit, und wir fühlten uns manchmal wie die kleinen Hobbits, die von Gandalf dem Grauen aus ihrer beschaulichen Ruhe geholt worden waren, um riesige Abenteuer zu bestehen. Und dieser Gandalf war dabei Diethelm (dessen Augenbrauen diesen Vergleich provozieren), der in uns in schwierigen Zeiten beiseite stand und in Not immer einen Ausweg weisen konnte.

Danke dafür, lieber Diethelm.

Die Alten aus der Jugendwerkstatt


Ich habe eine kleine Anmerkung:

Diethelm ist für mich ein immer präsentes Vorstandsmitglied, der viel Text auf winzig kleine Zettelchen schreibt, Mails noch Nachts um 2:30 Uhr beantwortet, IMMER Rollkragenpullover trägt, riesige Mengen Tirami Su verdrücken kann und auch mal zum Dessert ein Glas Marmelade löffelt.

Ich wünsche ihm und uns, dass das noch viele Jahre so weiter möglich ist.

Ursel Oestreich, basa e.V.


Als wir uns Anfang der 1990er Jahre von Wiesbaden aus aufmachten, im neuen Bundesland Thüringen zusammen mit Freunden und Unterstützern eine Bildungsstätte als selbstverwaltetes Projekt aufzubauen, ist Diethelm mit einem großen Vertrauensvorschuss auf uns zu gegangen. Er hat uns ermutigt, hat uns Richtungen aufgezeigt, manchmal an die Hand genommen und manchmal angestoßen und so haben wir in der Projektelandschaft das Laufen gelernt. Er hat uns nicht nur auf Fördermöglichkeiten hingewiesen und mit seinen Kontakten Türen für uns geöffnet, sondern uns durch sein Engagement das Vertrauen gegeben, diese Förderanträge auch tatsächlich zu stellen, die dank seiner fachlichen Hilfe dann auch wirklich bewilligt wurden.
In Thüringen konnte so durch Diethelms Unterstützung aus den verschwommenen Träumen von einigen jungen Menschen mit Bildungswerk BLITZ e.V. ein bis heute stabiler Jugendhilfe- und Jugendbildungsträger in der Dimension eines mittelständigen Unternehmens entstehen. Auch die Jenaer Bürgerstiftung hat in ihren Anfängen von Diethelms Wissen und seiner Offenheit profitiert.
Selbstorganisierte Initiativen, Jugendhilfe und bürgerschaftliches Engagement wären ohne Diethelm ärmer.

Doris Voll
Thorsten Lingmann
Gründungsmitglieder von Bildungswerk BLITZ e.V.


Lieber Diethelm,

da du ein Mensch bist, der Geburtstage nicht feiert, sollst du von uns auch keine Geburtstaggrüße bekommen.

Sondern:

„Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln.“   (Victor Borge)

Wer könnte nicht ein Lächeln brauchen?
Und wer ist so unendlich großzügig mit einem Lächeln wie du, lieber Diethelm?
Danke für jedes Aufmuntern, jeden Weitblick und die Gabe mit einem Lächeln Menschen zueinander zu bringen...
Du hast unsagbar viel getan in den letzten 70 Jahren und hast Ideen, Elan und Aufgaben für weitere (70) Jahre.
Du wirst gebraucht und bietest uns Jüngeren Antrieb,  Mut und Hoffnung, dass man aktiv, kreativ und heilstiftend tätig sein kann – völlig losgelöst von Alter und Verfassung.
Danke, lieber Diethelm: dafür, dass du wirkst, verbindest, tröstest und Sinn stiftest. .... und lächelst!
Uns, als Verein, Organisation und Träger, gäbe es ohne dein Zutun nicht.  Du bist immer Berater, Begleiter und Freund geblieben.
So wünschen wir DIR von Bildungswerk BLITZ e.V. einen ganz normalen Tag...

Alles Liebe und auf bald wünscht

Kerstin

Bildungswerk BLITZ e.V.
Jugendbildungsstätte Hütten
Herschdorfer Str. 19
07387 Krölpa OT Hütten


Lieber Diethelm,

alles Gute zum 70. Geburtstag. Wir hatten eine schöne und produktive Zeit in unserer Zusammenarbeit. Ich habe dich in guter Erinnerung, habe viel von dir gelernt und Du warst - wie man fachlich sagt - für mich eine
"Schlüsselperson". Ich hoffe, wir sehen uns doch recht bald mal wieder und sei herzlich gegrüßt.

Benno

Prof. Dr. Benno Hafeneger
Philipps-Universität Marburg
Fachbereich Erziehungswissenschaften