Buchenwald 2009

Buchenwald und Weimar 2009

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Vom 6. bis zum 9. März 2009 führten wir an der Europäischen Jugendbegegnungsstätte in Weimar und in unserer Bildungsstätte in Neu-Anspach das Seminar "Stätten deutscher Geschichte: Buchenwald und Weimar" durch, an dem insgesamt 84 SchülerInnen der Philipp-Reis-Schule in Friedrichsdorf teilnahmen. In acht Kleingruppen setzten sich die Jugendlichen im Alter von 16 Jahren mit verschiedenen Aspekten der Thematik auseinander: mit dem Untergang der Weimarer Republik, der Situation Jugendlicher im Dritten Reich, jugendlichem Widerstand im Nationalsozialismus, der Aufhebung von Grundrechten nach 1933 oder der Situation von Mädchen und Frauen in dieser Zeit. Desweiteren beschäftigten sich die SchülerInnen im Rahmen einer Spurensuche mit dem Nationalsozialismus in der Stadt Weimar, der demokratischen Entwicklung in beiden Teilen Deutschlands nach 1945 sowie den Gründen für das Wiedererstarken der NPD in jüngster Zeit. Wir begreifen die Veranstaltung als Auftakt einer neuartigen und auf Dauer angelegten Zusammenarbeit zwischen Schule und außerschulischer Bildungseinrichtung, in der es insbesondere um die Frage steht, warum auch fast 65 Jahre nach Kriegsende noch Gedenkstättenfahrten zentraler Bestandteil der politischen Bildung und damit der Erziehung zur Demokratie sind und sein sollen.

Als Kooperationspartner waren die EJBW in Weimar, das LidiceHaus in Bremen sowie die Villa Fohrde in Brandenburg beteiligt. Das Seminar wurde von der Bundeszentrale für politische Bildung und der Weimar-Jena-Akademie unterstützt. Die Ergebnisse der Kleingruppen sind hier dokumentiert.

- Frankfurter Neue Presse 12.03.2009

Jugend im Dritten Reich

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Was hieß es, als Jugendlicher im "Dritten Reich" zu leben? Warum waren manche gerne Mitglied der Hitlerjugend und welche ideologischen Ziele wurden dort verfolgt? Mit welchen Konsequenzen konnte es verbunden sein, nicht für den Führer marschieren zu wollen oder gar als Jude, Sinti, Roma, generell als "Anderer" verfolgt zu sein? Wie erging es Jugendlichen, die einen anderen Lebensstil pflegten, als das die Staatsjugend vorgab? Welche Spuren sind heute noch von dieser Zeit zu finden? Mit zahlreichen Bildern, Filmen, Musikbeispielen, Zeitzeugenaussagen wurde erkundet, was Kindheit und Jugend in den Jahren 1933-1945 bedeutete.
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Seminardokumentation

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Als Dokumentations-AG hatten wir die Aufgabe, unsere Fahrt nach Weimar und den Besuch der Gedenkstätte Buchenwald zu dokumentieren und in Fotos, Interviews und Texten festzuhalten.

Den Schwerpunkt unserer Arbeit bildeten Interviews mit SchülerInnen, LehrerInnen und TeamerInnen. Diese befragten wir vor und nach dem Besuch der Gedenkstätte und konnten uns somit auch ein Bild von den Eindrücken und Stimmungen innerhalb der Gruppe machen.

Die Arbeiten der verschiedenen AG´s hielten wir, ebenso wie den Besuch im ehemaligen KZ, in Fotos fest, und können euch so zeigen, was uns angesprochen, aufgefallen und interessiert hat.

- Konzentrationslager Buchenwald
- Interviews
- Fotogalerie

 

Das Wiedererstarken der NPD

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Vor dem Hintergrund des Holocausts ist nur schwer vorstellbar, dass eine Partei wie die NPD, die sich sehr stark auf die völkischen, nationalistischen und rassistischen Ideologiemuster der NSDAP stützt, in der heutigen Zeit einen Zuwachs an Wählerstimmen erhalten kann. In unserer AG ging es deshalb zum einen um die filmische Dokumentation unseres Gedenkstättenbesuchs in Buchenwald, zum anderen aber um die Hintergründe für dieses rätselhafte Phänomen. In Kleingruppenarbeit nahmen wir uns ausführlich das Wahlprogramm der NPD vor und setzten uns mit den dort vertretenen Argumentationen auseinander. Schließlich gelang es, die dort zutage getretenen Widersprüche, Irrtümer und antidemokratischen Wurzeln freizulegen, auch wenn an einigen Punkten die Positionen kontrovers blieben.

Ob wir uns darauf verständigen können, den Film ins Netz zu stellen, wird derzeit noch diskutiert.

Demokratische Entwicklung nach 1945

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Was bedeutet Demokratie? Das war die grundlegende Frage, die zu Beginn gestellt wurde und den Workshop bis zum Ende begleitete. Ausgehend von den in Buchenwald gewonnenen filmischen und persönlichen Eindrücken überlegten wir, wie es zur Teilung Deutschlands kam und wie in den verschiedenen Systemen mit der NS Vergangenheit umgegangen wurde. Wir dachten uns Fragen für Interviews aus, die wir dann in der der Stadt Fremden stellten.  Nach dem Zusammenschnitt der interessantesten Antworten, suchten wir im Internet nach alten Aufnahmen, von Hitlers Reden, über NVA Aufmärsche bis zum Mauerfall. Geschichtsforschung in Bildern sozusagen. Es entstand eine Art visueller Zeitstrahl, der grob versucht die geschichtliche Entwicklung in Deutschland nachzuvollziehen. Um einen Abschluss zu finden suchten wir nach einem Zitat, dass kurz und knapp wiedergibt was Demokratie im Idealfall leisten soll und wurden bei Mahatma Gandhi fündig. So entstand ein kleiner Film, der über 50 Jahre deutsche Geschichte und deren Folgen nachdenkt und schließlich fragt, in was für einem System wir leben wollen.

Jugendlicher Widerstand im Nationalsozialismus

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Jugendlicher Widerstand im Nationalsozialismus? Da war doch was, und da war eine ganze Menge. In Gesprächen über das Leben heute, über eigene Lebenskonzepte, über Verbote, Übertritte und die negativen Folgen dieser Übertritte haben wir uns den vielfältigen Widerstandsformen Jugendlicher in der damaligen Zeit genähert. Manche Gruppierungen wie die "Weiße Rose" oder einzelne kommunistische Jugendverbände traten mit der klaren Gewißheit politischer Gegnerschaft zum NS-System auf. Andere wie die "Edelweißpiraten" oder "Swingkids" wurden durch ihren Wunsch, ein eigenes Leben neben der straffen HJ zu führen, zu Gegnern des NS-Regimes. In diesem Ringen um eine eigene Identität fanden wir Anknüpfungspunkte auch für Jugendliche heute.
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Weimarer Republik: Wie eine Demokratie zusammenbricht

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Frauen im Dritten Reich

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Wir haben in unserer AG verschiedene Aspekte des Themas „Frauen im Nationalsozialismus" beleuchtet und in eigenen Texten verarbeitet. Zunächst einmal haben wir uns natürlich mit dem Frauenbild der nationalsozialistischen Ideologie beschäftigt, das in dem Hitler-Zitat von 1936 auf den Punkt gebracht wird: „Die Welt der Frau sei die Familie, ihr Mann, ihre Kinder, ihr Heim." Außerdem haben wir uns intensiv mit den Themen „Frauen und Arbeit", „Frauen im Widerstand", „Frauen als (Mit-) Täterinnen" und „Frauen als Opfer" beschäftigt.

Eine wichtige Rolle in den Diskussionen spielte für uns der Bezug zur heutigen Zeit: Welches Frauenideal ist heute vorherrschend? Wie gleichberechtigt sind Frauen heute? Könnte es in Deutschland wieder zu so einer politischen Situation kommen? Wie würden wir uns verhalten?

Ganz besonders beschäftigte uns die Frage nach Schuld und Verantwortung: Inwiefern macht man sich schuldig, indem man einfach nichts tut? Welche Verantwortung für unsere Gesellschaft haben wir heute und wie werden wir ihr gerecht? Welche Bedeutung haben Zivilcourage und Widerstand in unserem Leben?

 Diese Fragen und unsere Meinungen haben wir teilweise auch in die verfassten Texte eingebracht.

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Nationalsozialismus in der Stadt Weimar

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Ab Mitte der 1920er Jahre wurde Weimar zu einem für den Wiederaufbau der NSDAP nach dem Putsch-Versuch in München bedeutsamen Ort. "Ich liebe Weimar, und ich brauche Weimar!" sagte Adolf Hitler über die Klassiker-Stadt, in der schon 1932, angeführt von dem Reichstatthalter und Gauleiter Fritz Sauckel, eine der ersten NSDAP-geführten Landesregierungen amtierte. Welche gesellschaftlichen Bedingungen sorgten für den fanatischen Jubel, wenn Hitler die Stadt besuchte? Wie funktionierte die NS-Volksgemeinschaft, und was geschah mit den "artfremden" Menschen und den politischen Gegnern? Welche kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen existierten zwischen der Stadt und dem nicht weit entfernten KZ Buchenwald? Diesen und noch vielen anderen Fragen sind wir nachgegangen - einige der Ergebnisse haben wir in einer Präsentation zusammengefasst.

Grundrechte und Diskriminierung

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Die Gedenkstätte Buchenwald kann man auf ganz unterschiedliche Art und Weise besuchen. Ein Besuch kann auf verschiedene Fragen antworten: Was ist hier vor mehr als 60 Jahren passiert? Was haben Menschen hier mit Menschen gemacht? Was kann ICH über MICH lernen und die Gesellschaft in der ich HEUTE lebe? Wir haben den Schwerpunkt auf die letzte Frage gelegt. Wir haben uns mit der Benennung, Kennzeichnung, Ausgrenzung und Vernichtung unterschiedlicher Gruppen im Nationalsozialismus beschäftigt, die aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit, ihrer Hautfarbe, sexuellen Orientierung, ihres Lebensstils, ihrer politischen Überzeugung etc. in Buchenwald getötet wurden.

In einem zweiten Schritt ging es um uns und die Gesellschaft, in der wir leben: Das Grundgesetz, die Grundlage unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens, ist in vielem eine Reaktion auf die Nazidiktatur. Es schreibt die Würde des Menschen und Gleichheitsrechte fest. In jüngster Zeit wurde es durch das sogenannte Antidiskriminierungsgesetz ergänzt. Können wir uns also beruhigt zurücklehnen? Oder gibt es auch heute Gruppen, die diskriminiert werden? Wen diskriminiere ich selbst? Bin ich Opfer von Diskriminierung? Gibt es Gruppen die gesellschaftlich privilegiert sind? Sehe ich hin, wenn das passiert oder schaue ich weg? Wo möchte ich in Zukunft stärker hinsehen?
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