Dokumentation „Stätten deutscher Geschichte“ 8. – 11. April 2013

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Vom 8. bis zum 11. April 2013 führte unsere Bildungsstätte gemeinsam mit der Europäischen Jugendbegegnungsstätte in Weimar das Seminar "Stätten deutscher Geschichte: Buchenwald und Weimar" durch, an dem rund 60 SchülerInnen der Konrad-Lorenz-Schule in Usingen teilnahmen, die dort den Realschulzweig besuchen. In sechs Kleingruppen hatten die Jugendlichen im Alter von 16 bis 17 Jahren die Möglichkeit, sich mit unterschiedlichen Aspekten der Thematik intensiv auseinanderzusetzen.
Bevor die Arbeit in den thematisch ausgerichteten Kleingruppen begann, absolvierten die SchülerInnen eine Stadtrallye durch Weimar. Diese diente dem Kennenlernen der Stadt sowie der ersten Kontaktaufnahme mit den Anwohnern.

Danach teilte sich die Gruppe in sechs Kleingruppen auf, die sich mit folgenden Fragestellungen befassten:

- AG Dokumentation

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Die 7 Teilnehmer dieser Arbeitsgruppe erstellten ein Video, in dem sie Passanten, Besucher der Gedenkstätte Buchenwald sowie MitschülerInnen interviewten. Die Schwerpunkte der Interviewfragen lagen auf den persönlichen Wahrnehmungen und Meinungen zum Besuch in der Gedenkstätte Buchenwald, zum Holocaust und zu den Bezügen zur heutigen Zeit.
Wichtig waren uns besonders die Gefühle der Besucher. So wurden Fragen gestellt wie: „Was waren Ihre Eindrücke, als Sie das ehemalige KZ zum ersten Mal besuchten, und was hat sich bei Ihnen besonders eingeprägt?"
Die insgesamt fünf Fragen sind durch Videoimpressionen, die von den Jugendlichen in der Gedenkstätte gesammelt wurden, miteinander verbunden. Zusätzlich sind die Szenen mit lizenzfreier Musik unterlegt, um die Wirkung der Bilder zu verstärken. Während der Arbeit in der AG ergaben sich in der Gruppe intensive und spannende Gespräche. So wurde u.a. darüber diskutiert, ob die Deutschen noch heute eine "Erbschuld" an den nationalsozialistischen Verbrechen tragen oder es sich nicht vielmehr um eine Frage der Verantwortung aus der Geschichte Deutschlands heraus handelt, die sich für jede junge Generation neu stellt.

- AG Menschenrechte - damals und heute: 1 & 2

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In zwei der Arbeitsgruppen wurden aktuelle Menschenrechtsverletzungen anhand ausgewählter Schwerpunkte wie Sexismus, Todesstrafe, Homophobie, Flüchtlinge & Asylsuchende thematisiert, um anhand heutiger Problemstellungen Bezüge zum Besuch in der Gedenkstätte herzustellen. Ziel war es, vor dem historischen Hintergrund des ehemaligen Konzentrationslagers in Buchenwald die Jugendlichen zu einer Auseinandersetzung mit Menschenrechtsverletzungen in der heutigen Zeit zu motivieren und dabei eigene Standpunkte und Handlungsoptionen zu entwickeln.

- AG Frauen und Geschlechterrollen im Dritten Reich – Täterinnen, Opfer, Widerständlerinnen

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Die Teilnehmenden sollten sich mit dem propagierten Idealbild der Frau im Nationalsozialismus kritisch auseinandersetzen. Innerhalb der Gruppe suchten sich die Teilnehmenden inhaltliche Schwerpunkte und arbeiteten anhand von biographischem Material Differenzen zwischen Realität und Propaganda heraus, hierbei auch die unterschiedlichen Rollen und Positionen reflektierend, die Frauen damals ausfüllten.
Um einen Bezug zur Gegenwart herzustellen, wurden gemeinsam Dokumentationen über Frauen in der heutigen rechten Szene angeschaut. Die jungen Menschen stellten dabei fest, dass die Akteurinnen auch hier nicht dem Bild entsprachen, das sie erwartet hatten. Die Form der Präsentation zum Seminarende als „Talkshow" wählten sie selbständig; zudem fertigten sie Plakate an, die zur Illustration dienten. Im Hintergrund war eine Auswahl von Fotos zu sehen, die innerhalb der Gedenkstätte bzw. der Ausstellung gemacht wurden.

- AG Nationalsozialismus in der Stadt Weimar – Eine Spurensuche

Spurensuche

Ziel des Workshops war es, die Bedeutung der Stadt Weimar für den Nationalsozialismus herauszuarbeiten und zu untersuchen, welche Spuren dieser in der Stadt hinterlassen hat. In Kleingruppen konnten die Teilnehmenden mit Hilfe von ausgewählten Materialien (Texte, Quellen, Fotos, ...) und im Rahmen einer Spurensuche vor Ort fünf verschiedene Orte in Weimar (ehemaliges Gauforum, Hotel Elephant, Judenhaus Brühl 6, ehemaliges Gestapogefängnis und Nationaltheater) erkunden und deren historische Bedeutung offenlegen. Welche Rolle spielte die Identifikation Weimars als Stadt der deutschen Klassik un der deutschen Nationaldichter für Hitler? Warum war der Nationalsozialismus in Weimar so erfolgreich? Wie existierte diese Kulturstadt neben der NS-Unkultur, und gab es für die Zeitgenossen da überhaupt einen Widerspruch?

Die Ergebnisse wurden im Plenum präsentiert und mit den Erfahrungen aus dem Besuch der Gedenkstätte Buchenwald sowie dem bisherigen Weimar-Bild der Jugendlichen verknüpft. Besondere Berücksichtigung fanden bei den Diskussionen der aktuelle Umgang der Stadt mit den Orten, ihr Zustand und ihre heutige Nutzung.

- AG Neue Rechte – Rassismus wieder salonfähig?

Neue rechte

Zunächst wurden in der Gruppe grundlegende Begrifflichkeiten geklärt. Auffällig war, dass die Teilnehmenden anfangs ein sehr undifferenziertes und oberflächliches Bild vom historischen Nationalsozialismus hatten, sich dies nach dem Gedenkstättenbesuch aber deutlich geändert hat.
Viel wurde in der Gruppe im Zusammenhang mit dem Gedenkstättenbesuch über persönliche Eindrücke und die heutige Erinnerungskultur gesprochen. Aufgrund der Kontinuitäten in der Ideologie von Nationalsozialisten und Neuer Rechter erkannten die Teilnehmenden die Wichtigkeit, auch heute noch Gedenkstätten des nationalsozialistischen Terrors aufzusuchen und daran erinnert zu werden, was menschenfeindliche und rassistische Einstellungen historisch anrichten konnten. Zugleich wurden den jungen Menschen neue Perspektiven im Umgang mit noch heute vorhandenen diskriminierenden und rassistischen Einstellungen in der Gesellschaft aufgezeigt. Besonders berührt waren die Teilnehmenden von den Schicksalen der damals gleichaltrigen KZ-InsassInnen und deren Biographien.