Lidice

10. Juni 1942

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„Das haben sie verdient, diese Verräter am Deutschen Reich! Wer die Mörder des ehrenvollen Reinhard Heydrich so hinterlistig deckt, hat eine harte Strafe verdient. Das soll ihnen und allen anderen eine Lektion gewesen sein."
"Ach, du warst in Lidice dabei? Hab gehört, das war eine ziemlich große Sache."
„So was hast du noch nicht gesehen! Das ging ruckzuck. Ein Mann nach dem anderen an die Wand und bumm - und schon der nächste. Wieder bumm. 172 Mann. Dem Kommandanten konnte es nicht schnell genug gehen. Am Anfang fünf auf einmal, später zehn. Keine Zeit, die Leichen wegzuräumen."
"Und was habt ihr mit den Frauen und Kindern gemacht?"
"Dreckspack! Die Frauen, knapp 200 waren es, direkt zum Zug und Richtung Ravensbrück, und die Kinder, so um die 100, nach Litzmannstadt. Paar von denen kann man vielleicht noch gebrauchen, die sahen nicht schlecht aus, deutsch eben."
"Das Dorf, was passiert jetzt damit?"
"Demnächst geht es wieder hin, und dann wird es platt gemacht."

So oder so ähnlich muss es wohl gewesen sein, als am 10. Juni 1942 das Dorf Lidice grauenhaft dem Erdboden gleichgemacht und die Einwohner brutal

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ermordet bzw. in Konzentrationslager deportiert wurden. Nach dem Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor von Böhmen und Mähren Reinhard Heydrich vermutete man dort die Täter.

70 Jahre später erinnert dieser Ort eher an einen Golfplatz als an ein Dorf. Unvorstellbar erscheint der Gedanke an ein solches Verbrechen, wenn man über das idyllische Grün blickt.

Am meisten berührt haben uns die Berichte der wenigen Überlebenden dieser Gräueltat. Bemerkenswert ist auch, dass einige von diesen als Ausdruck ihres Widerstandes sich in direkter Nähe des Tatorts erneut angesiedelt haben.

Jule Glock, Lena van Haaren