Fachtagung: Wer bildet Meinung?

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Mit der rasanten Ausweitung des Internets und der Verbreitung von Social Media haben die traditionellen Medien wie Zeitungen und Fernsehen ihre Deutungshoheit verloren. Jede*r kann jetzt öffentlich wirken, z. B. über Facebook, Twitter, YouTube.

Diese Entwicklung kann einerseits als Bereicherung gewertet werden, aber andererseits wird immer deutlicher, dass Unübersichtlichkeit und Orientierungslosigkeit zunehmen, dass nicht demokratische Spielregeln, sondern Algorithmen bestimmen, wer welche Informationen bekommt, und dass jede „Wahrheit“ in dieser neuen Medienwelt ihren Echoraum findet. Die digitalen Bedingungen haben ganz offensichtlich zu einem Strukturwandel von Öffentlichkeit geführt, der Einfluss auf die Meinungsbildung von Menschen hat, nicht zuletzt auf die politische Meinungsbildung. Aber wer oder was bildet eigentlich unsere Meinung? Welche Faktoren sind wichtig und welche Bedeutung kommt dabei den digitalen Medien zu? Diese Fragen wollen wir mit politischen Bildner*innen diskutieren und haben dazu Expert*innen aus Wissenschaft, Medienpädagogik, Journalismus und Politik eingeladen.

Wir, basa e.V., sind vertreten durch Christian Kirschner, der einen Workshop zum Umgang mit Fake News in der politischen Bildung anbietet. Fake News sind kein neues Phänomen, wohl aber hat sich der Gegenstand und die Intention der Nutzung maßgeblich geändert. Während im 19. Jahrhundert noch Zeitungsenten gemeint waren, avancierte der Begriff in den letzten 15 Jahren zu einer der zentralen Beurteilungskategorien politischer Kommunikation. 2004 etwa wurden politische Aktionen, wie die der Gruppe „The Yes Men“, unter dem Label Fake News gelobt, mit denen sie Machenschaften großer Chemiekonzerne bloßstellen und die Akteure karikaturengleich vorführen („Dow-Chemical-Hack“). Sie ernteten für ihr Tun nicht nur in der Netzgemeinde große Anerkennung. In den letzten Jahren zeichnet sich hingegen eine diskursive Verschiebung ab, wie sich etwa in einem Arbeitspapier von Facebook zur Thematik zeigt, in welchem Fake News als systematischer Informationsmissbrauch beschrieben werden. Politische Bildung ist damit zunächst in zweierlei Hinsicht herausgefordert: Einerseits durch die Frage danach was überhaupt „Wahrheit“ ist, andererseits durch die dezentralisierten und sich selbst multiplizierenden Kommunikationsstrukturen im Netz.

Fake News entfalten ihre (politische) Wirkung unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt. Im geplanten Workshop soll es daher einerseits darum gehen, das Verhältnis politischer Bildung zu der Frage nach Wahrheit zu beleuchten. Es wird als didaktisches Konzept vorgeschlagen, Fake News weniger hinsichtlich ihres Wahrheitsgehaltes zu erörtern, sondern sie als diskursive Wissensbestände zu begreifen, die in ihrer Genese, Multiplikation und Wirkung verstehbar und damit angreifbar sind. Es soll der Fokus auf die pädagogische Haltung in der konkreten Bildungspraxis gelegt und gefragt werden, wie ein didaktischer Zugang jenseits binärer Beurteilungsschemata umgesetzt werden könnte.

Gleichermaßen soll gefragt werden, wie politische Bildung mit dezentralisierten und sich selbst multiplizierenden Kommunikationsstrukturen umgehen kann. 2015 hat Böhmermanns Varoufakis-Satire traditionelle Pressearbeit vorgeführt. Traditionelle Medien sind kaum vor Fake News gefeit und die bisweilen auch in der politischen Bildung beliebte Gegenüberstellung von traditionellen Medien mit der „Wahrheit“ und Social-Media-Plattformen als „Lügeninstanzen“ beginnt zu bröckeln. Politische Bildung sollte hingegen den Spezifika der erfolgreichen Verbreitung von Fake News besondere Beachtung schenken, nämlich zum einen das systematische Anknüpfen an Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und die automatisierten Möglichkeiten der massenhaften Verbreitung und Plausibilisierung,

In unserem Workshop werden die Teilnehmenden die Möglichkeit erhalten, für die Jugendbildungsarbeit geeignete Methoden auszuprobieren und sich so dem Gegenstand Fake News und seinen Herausforderungen für die politische Bildung zu nähern. Ob der gebotenen Kürze müssen sich die Teilnehmenden für ein bis zwei Methoden entscheiden und können die Methoden nur exemplarisch ausprobieren:

  • Eine einzige Geschichte (Übung aus dem Kontext Impro-Theater)
  • S*intro online
  • Fake it to make it

Im Anschluss findet eine systematisierende Reflektion der Spielerfahrung statt. Der Workshop schließt mit einem zusammenfassenden Input über didaktische Herausforderungen für die politische Bildung und einen Ausblick über weitere (neue) methodische Zugänge.

Vom 28. bis 29. November 2017 findet die diesjährige Fachtagung des Arbeitskreises deutscher Bildungsstätten in Kooperation mit der Europäischen Akademie Otzenhausen statt. Tagungsort ist die Europäische Akademie in Nonnweiler/Saarland. Diese Fachtagung bildet zugleich den Auftakt für das AdB-Jahresthema 2018 „Wer bildet Meinung? Gesellschaftspolitischer Diskurs zwischen Medienfreiheit und alternativen Fakten“.

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Ansprechpartner

ChristianChristian Kirschner

Referent für politische Bildung
Fokus: Digitalisierung

Tel. 06081 912 73 21
Fax 06081 912 73 29

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Titelbild: Blogtrepreneur