Projekt: Canvas City

Canvas City ist ein mobiles, geodatenbasiertes AR-Multiplayerspiel für den Bildungsbereich. Das Spiel wird als geschlossene Session innerhalb von rund vier Stunden mit 30 gleichzeitigen Spieler*innen auf demselben Spielfeld (im öffentlichen Raum) gespielt. Das Spiel ist eingebunden in eine Veranstaltung der außerschulischen Jugendbildung in Kooperation mit Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen. Das Spiel richtet sich an junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren, insbesondere auch an bildungs- und politikferne Menschen.Das Spiel macht Digitalisierung mit seinen Aspekten algorithmische Entscheidungsfindung, Smart City und ePartizipation greifbar. Es macht Dilemmata von Technologieeinsatz erfahr- und verstehbar. In den anschließenden Workshops können die Spieler*innen ihr Wissen über gesellschaftliche Veränderungsprozesse durch Digitalisierung vertiefen – und reale Handlungsoptionen ausloten.

Story

Das Spiel ist verortet in einem fiktiven Deutschland der nahen Zukunft, in dem Smart Cities und künstliche Intelligenzen Normalität geworden sind. Cortex, einer der ressourcen- und befugnissreichsten künstlichen Intelligenzen, dominiert weite Bereiche des öffentlichen Lebens und ist dabei sich zu verselbstständigen. Die Teilnehmenden sind menschliche Einwohner*innen von Canvas City, einer der fortschrittlichsten Städte der Republik. Cortex bringt Fortschritt und Erleichterung, aber auch Überwachung und Fremdbestimmung. Sie müssen entscheiden, wie viel Einfluss Cortex auf die Welt von Canvas City nehmen darf. Canvas City wird grundsätzlich in AR gespielt. Die Spieler*innen manipulieren und gestalten einen fiktiven Datenraum, der die reale Welt gleich einer vierten Dimension überlagert. Alle Artefakte und Nicht-Spieler*innen-Charaktere sind ausschließlich in der AR-Ansicht verfügbar; alle Interaktionen und Handlungen werden in AR durchgeführt. Das heißt, die Spieler*innen bewegen sich über das Spielfeld und erkunden Canvas City mit Hilfe ihres mobilen Endgeräts und der AR-Ansicht. Zentrales Ziel im Spiel ist die Aneignung der parallelen AR-Welt.

Pädagogisches Selbstverständnis

Canvas City ist ein Kooperationsprojekt von basa e.V. und mediale pfade.org – Verein für Medienbildung e.V., beide anerkannte Träger der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland mit langjähriger Erfahrung in der Bildungsarbeit im Bereich Demokratie und Medien. Wir verstehen die aktuellen technischen und medialen Entwicklungen im Zuge der Digitalisierung in erster Linie als gesellschaftliche Fragen. Egal ob Internet of Things, Big Data, KI oder Augmented Reality – wir wollen junge Menschen darin unterstützen, diese Fragen selbständig kreativ und produktiv zu beantworten. Unser Bildungsziel ist es, mit ihnen Möglichkeiten zu erschließen, um einen emanzipatorischen Umgang mit digitalen Technologien zu finden. Wir möchten sie mit unseren Angeboten motivieren, sich für eine offene Gesellschaft auch im Netz einzusetzen, denn wir sind der Überzeugung, dass das Technische politisch ist.

Webseite: https://www.gocanvas.city

Flyer: Canvas City OnePager

Ihr Ansprechparter:

Christian Kirschner

christian kirschner webChristian Kirschner
Referent für politische Bildung
Fokus: Digitalisierung

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Schwerpunkt: Digitalisierung

Diskriminierungsfreiheit, Partizipations- und Gestaltungsmöglichkeiten, Anonymität und Meinungsfreiheit für alles und jede*n waren die großen Versprechen, die im Internet ihre Verwirklichung finden sollten. Omnipräsenz und Marktmacht großer Konzerne oder Überwachungsskandale erteilen jenen Versprechen eine Absage.

Comic Internet dog: On the internet nobody knows you're a dog1993 erschien im New Yorker ein Cartoon, der in die Internetgeschichte einging: Ein Hund sitzt an einem Desktop-PC und teilt einem anderen Hund mit, dass im Internet ja niemand wisse, dass er ein Hund sei. Es ist klar, dass „jemand“ weiß, wer ein Hund ist und wer nicht; wer sich normbestätigend präsentieren kann und wer nicht; wer mitmachen kann und wer nicht. Viele medienpädagogische Formate, insbesondere auch im Kontext politischer Bildungsarbeit, griffen zunächst die Herausforderungen mit Formaten zu adäquaten Privacy-Einstellungen, online Jugendportalen und Cryptopartys auf. „Datenklau“ und „Datenmissbrauch“ erhielten als praxisleitende Narrative Einzug in den pädagogischen Diskurs. Nils Leopold weist 2015 kritisch darauf hin, dass „Vorstellungen wie die eigentumsgleiche Kontrolle über die eigenen Daten [.] in einer weitgehend vernetzen digitalen Welt schlicht überholt“ seien (Leopold 2015, 10). Die „alte“ Utopie des egalitären Raums wurde ersetzt durch die Eigenlogik großer Dienstanbieter und staatlicher Überwachungseinrichtungen: Das Erstellen von Nutzer*innenprofilen und das Berechnen von Wahrscheinlichkeiten über Nutzungsverhalten tritt an die Stelle von Klarnamen und Geburtsdaten. Die Forderung nach Emailverschlüsselung erscheint in diesem Kontext als „ein rührender Versuch in Anbetracht der Sammlung von Metadaten“ (Selzer 2015, 16f). Es ist (eigentlich) kein Geheimnis: Das Internet ist kein offener, egalitärer, an Gerechtigkeit und Inklusion orientierter Raum.

Jüngst haben Autor*innen wie etwa Crouch (2008), Ranciere (2002, 2008) und Wolin (2008) den Begriff der Postdemokratie in die politikwissenschaftliche Diskussion eingeführt. Ähnlich wie Offe (2011) oder Streeck (2013) postulieren sie eine zunehmende Erosion demokratischer Institutionen und Prozesse im Zuge ökonomischer Veränderungen. Private Unternehmen und ihre Handlungslogiken würden in vielen gesellschaftlichen Bereichen Deutungshoheit erlangen; Politik wird von wachsendem Lobbyismus, steigender Intransparenz und Unkontrollierbarkeit politischer Willensbildung im Rahmen von public-private-bargainings informalisiert und mehr und mehr der öffentlichen Kontrolle entzogen. Konkurrierende Teams professioneller PR-Expert*innen, so Crouch, kontrollieren die öffentlichen Debatten so stark, dass jene zu einem Spektakel verkommen seien. Die Mehrheit der Bürger*innen spiele dabei eine passive, schweigende, ja sogar apathische Rolle, während Entscheidungen von Eliten getroffen werden. (vgl. Crouch 2008, 10) Bei aller berechtigten Kritik am Konzept und den Begrifflichkeiten (vgl. etwa Nolte 2011) lässt sich in Anschluss an Crouch und andere eine Krise etablierter Vorstellungen und Praxen von (repräsentativer) Demokratie und traditioneller sowie neuer Medien konstatieren. Es wird vorgeschlagen, die gegenwärtigen Herausforderungen aus demokratietheoretischer Sicht und in Anbetracht umfassender Disparitäten und Exklusionsmechanismen im Zugang zu Entscheidungen folgendermaßen zuzuspitzen: Wer regiert? Wer repräsentiert? Wer partizipiert? Und wer (darf/kann/soll/muss) nicht? (vgl. Merkel 2013, 26f)

In Anschluss an Arbeiten der Cultural Studies haben Medienpädagogik und -forschung den Blick für die Einordnung von Medienpraktiken (der Produktion/des Konsums/der Verwertung) im Alltag der Rezipient*innen geschärft – vor allem unter Berücksichtigung darin enthaltener Machtstrukturen (vgl. Kaiser 2016, 158ff). Von Bedeutung ist die Neuverortung des Kulturbegriffs als „ganze Lebensweise“, welche Verbindungen und Vernetzungen mit anderen gesellschaftlichen Praktiken impliziert (vgl. Winter 2004). Die „alte Angst vor Entdeckung [d.h. Überwachung, Kontrolle, Unterdrückung] wird von der Freude darüber abgelöst, dass immer jemand da ist, der einen wahrnimmt. […] Beobachtet und Gesehenwerden hat sich dadurch aus einer Bedrohung in eine Verheißung verwandelt“ (Baumann/Lyon 2013, 32). Soziale Netzwerke propagieren und profitieren maßgeblich von diesem Wandel. Nutzer*innen, ihre Medienpraktiken und die damit entstehende Möglichkeit der Vorhersage eines zu erwartenden Verhaltens sind zur neuen Währung geworden: Nicht die Nutzer*innen sind Kund*innen, sondern Unternehmen, die Daten, Sichtbarkeiten und Wahrscheinlichkeiten kaufen und für eigene Zwecke nutzen („know your customer“). Parallel hat sich die Herausbildung sogenannter homogener und polarisierter Cluster verschärft. Nutzer*innen bewegen sich in „Echokammern“, also digitalen Räumen, in denen hauptsächlich jene Informationen geteilt und konsumiert werden, die den eigenen Weltsichten entsprechen. Algorithmen und kollaborative Filter entscheiden darüber, was Nutzer*innen sehen: Bringen Menschen aus dem digitalen Nahraum bestimmte Weltsichten zum Ausdruck, ist es sehr wahrscheinlich, dass alternative Stimmen und Perspektiven kaum wahrgenommen werden (können). Medienpraktiken und ökonomische Interesse unterminieren damit potentiell freie, kritische und vor allem rezipierte und wirkmächtige Pressearbeit. Es muss aber klar sein: Nicht das Internet ist verantwortlich für die „Gräben in der Gesellschaft oder das allgemeine Misstrauen gegen Politik und Medien“ (Brodnig 2016), vielmehr ist es als Artikulationsplattform und Katalysator zu verstehen. Internet und seine Dienste sind nicht-egalitäre Räume, die in ihrer vermeintlichen Anonymität hate speech und Diskriminierung begünstigen. Aus der Ferne hört man dann die Rufe: Lügenpresse, Lügenpresse! (vgl. Brodnig 2014). „Digital Counter Speech“ als politisches Mittel vermag an dieser Stelle wenig zu bewirken, verfolgen Unternehmen denkbar andere Ziele als die Schaffung diskriminierungsfreier Räume. Im ungünstigsten Fall verbleibt es bei der (ungewollten) Einbindung von Menschen in die Umsetzung von Unternehmensinteressen – digitales Engagement wird zwangskommerzialisiert (vgl. ebd.). Zusammenfassend finden sich wirkmächtige Disparitäten also einerseits hinsichtlich der Artikulation von (bisweilen ausschließenden und diskriminierenden) Weltsichten, andererseits hinsichtlich dem ungleichen Zugang zu Informationen.

Unsere Arbeitsfelder

In Anschluss an die skizzierten Herausforderungen ergeben sich für unseren Schwerpunkt Digitalisierung drei Arbeitsfelder. Wir entwickeln Maßnahmen, Formate und Methoden und bieten Veranstaltungen an, die

  1. Demokratie und Demokratisierung hinsichtlich der sich durch Prozesse der Digitalisierung ergebenden Veränderung auf institutioneller Ebene verhandeln. Der besondere Fokus liegt dabei auf Fragen des Primats der Politik, Repräsentation, Transparenz und Pressefreiheit als Grundbestandteile freiheitlicher Demokratie. (Arbeitsfeld demokratische Institutionen)
  2. Demokratie und Demokratisierung hinsichtlich der sich durch Prozesse der Digitalisierung ergebenden Veränderung auf gesellschaftlicher Ebene verhandeln. Beachtung finden sollen insbesondere die Felder des hate speech im digitalen Raum, der Identitätspolitik um Sichtbarkeit und neue Unterhaltungsformate. (Arbeitsfeld demokratische Gesellschaft)
  3. Maßnahmen, die Technologien und digitale Ökonomie als Politikum verhandeln. Hierbei sollen die Macht digitaler Großkonzerne, big data und die Mitarbeit an der Ökonomisierung des Sozialen durch Nutzung digitaler Dienste als politische Frage diskutierte werden. (Arbeitsfeld Technik und Ökonomie)

Die Frage des generellen Zugangs zum Internet ist in Deutschland nicht länger ein zentrales Problem. Vielmehr sind Ressourcen und Anschlussfähigkeit an den eigenen Alltag der Menschen entscheidend, ob eine kritische Auseinandersetzung und politische Partizipation stattfindet. Empirische Studien zeigen, „dass hinsichtlich der Art des technologischen Internetzugangs, der digitalen Kompetenzen und der Gratifikationen der Internetnutzung signifikante Statusunterschiede zu Gunsten statushoher Gruppierungen bestehen“ (Zillien 2009, 235; vgl. auch Spaiser 2013). Der Diskurs um digital divide – verstanden als die Diskussion um Disparitäten (jugendlichen) Medienhandelns entlang des Bildungshintergrunds – macht darauf aufmerksam, dass Bildung und Chancen auf Bildungsteilhabe eine zentrale Rolle spielen; einerseits in Hinblick auf die Aneignung von Fähigkeiten und Wissen im Kontext von Medien und deren politische Bedeutung, andererseits in Hinblick auf Mediennutzung im Sinne einer „Erweiterung von Handlungsoptionen und Kompetenzen, die auch Möglichkeiten im ‚wirklichen‘ Leben erweitern können“ (Kutscher 2012, 24). Politische Bildung kann nicht in einer defensiven Position mit Blick auf die Gefahren von Internet und Digitalisierung verharren. Vielmehr muss sie in ihren Angeboten Zeit, Raum und Kompetenzen zur Verfügung stellen, die Veränderungen des Demokratischen auf Ebene der Lebens-, Gesellschafts- und Herrschaftsform zu antizipieren, die Spieleinsätze zu verstehen und zu einem kritischen Urteil zu gelangen, ohne Benachteiligung und Ausschlüsse zu wiederholen (vgl. Jantschek 2015). Das ist bei der Bearbeitung der digitalisierten Gesellschaft insofern eine besondere Herausforderung, weil Gegenstände nicht greifbar sind. Sie sind eine abstrakte Verschränkung ökonomischer, gesellschaftlicher und technischer Ebenen. Der entscheidende Punkt in der Auseinandersetzung ist daher die subjektive Betroffenheit und persönliche Involviertheit der jungen Menschen herauszuarbeiten – jenseits der Verdammung digitaler Dienste und mobiler Endgeräte (vgl. Besand u.a. 2013). Weder analoge Unterrichtungen über Theorien des Demokratischen noch digitale Abstimmungsplattformen werden den digital divide überwinden. In unserem Schwerpunkt möchten wir statt dessen den Fokus auf die Entwicklung neuer „Türöffnermethoden“ legen, die die Lebenswelt aller jungen Menschen ernst nimmt, sie als kompetente Akteur*innen in Fragen des Digitalen begreift und einlädt, sich über kulturelle, ökonomische, technische wie demokratietheoretische Fragestellung in Zeiten der Digitalisierung ein politisches Urteil zu bilden.

Nach der zuletzt veröffentlichten JIM-Studie spielen 91 Prozent aller befragten Jugendlichen digital, 92 Prozent aller befragten Jugendlichen besitzen ein Smartphone, befragte Jungen spielen häufiger klassische digitale Spiele als befragte Mädchen, aber 43 Prozent aller befragten Mädchen spielen Mobile Games (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2015, 42ff). Handlungsorientierte Medienpädagogik in der politischen Bildung berücksichtigt daher differente Formen des Medienhandelns und offeriert zugleich eine Förderung alternativer Medienpraktiken (vgl. Schorb 2008). Dabei ist zu beachten, dass das Arbeiten am Gegenstand Digitalisierung sich nicht auf die Produktion singulärer Medien reduzieren lässt: „Vielmehr ist ihre konvergente Kombination state of the art. Daher erscheinen breitere Angebote sinnvoller, die Lernende dafür sensibilisieren wie mediale Konvergenz hergestellt werden kann“ (Walden 2015, 247).

Und nun?

Politische Bildung hat das Potential, sich in Anbetracht der skizzierten Herausforderungen selbst neu zu erfinden, emanzipatorische Potentiale der Digitalisierung herauszustellen und junge Menschen in ihren digitalen Suchbewegungen zu unterstützen. Demokratisierung, verstanden als Forderung nach (informationeller) Selbsbestimmung, ist bei der Umsetzung unserer Projekte normative Leitidee und will Jugendliche unterstützen, digitale Disparitäten in ihrer Lebenswelt auf kultureller, ökonomischer, technischer und demokratietheoretische Ebenen zu verstehen, zu kritisieren und partizipativ anzueignen. Entscheidend ist dabei die Schaffung an den Bedarfen und Interessen der Teilnehmenden orientierter, emotional anschlussfähiger und trotz der Komplexität der Thematik nicht-intellektualisierender Methoden.

Alle unsere Ansätze sind Türöffner, die jungen Menschen zwischen 16 und 27 Jahren einen Zugang zum hochkomplexen Gegenstand Demokratie und digitalisierte Gesellschaft ermöglichen und in mehrtägige Veranstaltungen eingebunden sind. In allen Veranstaltungen steht die aktive Aneignung im Vordergrund. Dabei greifen wir auch auf bereits etablierte Methoden politischer Bildung zurück und nutzt Methoden der Text-, Video- und Audioproduktion, bereits entwickelte Alternate Reality Games, Mini-Larps und andere innovative Ansätze selbstverständlich weiterhin für die eigene Arbeit. Durch einen an den Bedarfen und Interessen orientierten Zugang möchten wir junge Menschen erreicht werden, die mit politischer Bildung im klassischen Sinne bisher nicht in Kontakt kam. Ferner wird der Einsatz von Technologien für die Bildungsarbeit weiter optimiert, neue Konzepte gefunden, nachhaltig in die eigene Arbeit implementiert und über die eigene Einrichtung hinausgetragen. Dazu bieten wir in Kooperation mit anderen Bildungsträgern Multiplikator*innenfortbildungen an, die die Medienkompetenz von Praktiker*innen hin zu digitalen Moderationskompetenzen im Sinne einer Politisierung der Medienarbeit erweitern. Auch im Rahmen des Engagements in unserem Dachverband Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten werden Formate der Vernetzung, des Austauschs und nachhaltigen Verstetigung der politischen Arbeit an und mit Medien erfolgen.

Unser zentrales Anliegen ist es, inklusive und nicht-elitäre Bildungsangebote zu formulieren, die den abstrakten Gegenstand "Digitalisierung" erfassbar, diskutierbar und vor allem gestaltbar zu machen. Dafür haben wir seit Januar 2017 eine Stelle eingerichtet, die über das Jugendbildungsreferent*innenprogramm des AdB, Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten, durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird. Die Stelle ist auf Bundesebene der Fachgruppe "Digitale Medien und Demokratie" angesiedelt.

 

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Christian

Christian Kirschner

Referent für politische Bildung
Schwerpunkt: Digitalisierung

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Literatur

Baumann, Zygmunt; Lyon, David (2013): Daten, Drohnen, Disziplin. Ein Gespräch über flüchtige Überwachung, Frankfurt am Main.
Besand, Anja; Birkenhauer, Peter; Lange, Peter (2013): Politische Bildung in digitalen Umgebungen. Eine Fallstudie zum Projekt DU HAST DIE MACHT, zuletzt abgerufen am 28.03.2016 unter https://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/philosophische_fakultaet/ifpw/didpb/bilder/dhdm1.
Brodnig, Ingrid (2014): Der unsichtbare Mensch, Wien.
Brodnig, Ingrid (2016): Das Internet ist kein egalitärer Raum: Ingrid Brodnig über Hate Speech und Wut im Internet, zuletzt abgerufen am 28.03.2016 unter https://netzpolitik.org/2016/das-internet-ist-kein-egalitaerer-raum-ingrid-brodnig-ueber-hate-speech-und-wut-im-internet/.
Crouch, Colin (2008): Postdemokratie, Frankfurt am Main.
Jantschek, Ole (2015): Digitale Mündigkeit. Informationelle Selbstbestimmung als Ziel und Thema politischer Jugendbildung, in: Journal für politische Bildung 15 (2), S. 32-39.
Kaiser, Sabine (2016): Medienaneignung im Jugendalter. Zwischen sozialer Ungleichheit und Anerkennung von Heterogenität, in: Becker, Ulrike; Friedrichs, Henrike; von Gross, Friederike; Kaiser, Sabine (Hrsg.): Ent-Grenztes Heranwachsen, Wiesbaden, S. 149-168.
Kutscher, Nadia (2012): Das Internet als ambivalenter Bildungsraum. Soziale Ungleichheit und Machtstrukturen in der Mediennutzung, in: DJI Impulse (4), S. 23-25.
Leopold, Nils (2015): Überwachung und Digitalisierung. Freiheitsschutz durch Recht, in: Außerschulische Bildung, Zeitschrift der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung 46 (4), S. 4-11.
Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2015): JIM-Studie 2015. Jugend, Information, (Multi-) Media, zuletzt abgerufen am 28.03.2016 unter http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf15/JIM_2015.pdf.
Merkel, Wolfgang (2013): Die Herausforderungen der Demokratie, in: ders. (Hrsg.): Demokratie und Krise. Zum schwierigen Verhältnis von Theorie und Empirie, Wiesbaden, S. 7-42.
Nolte, Paul (2011): Von der repräsentativen zur multiplen Demokratie, in: Aus Politik und Zeitgeschehen (1-2), S. 5-12.
Offe, Claus (2011): Crisis and Innovation of Liberal Democracy: Can Deliberation Be Institutionalised? Czech Sociological Review 47 (3), 447-473.
Rancière, Jacques (2002): Das Unvernehmen. Politik und Philosophie. Frankfurt am Main.
Rancière, Jacques (2008): Zehn Thesen zur Politik, Zürich.
Schorb, Bernd (2008): Handlungsorientierte Medienpädagogik, in: Sander, Uwe; von Gross, Friederike; Hugger, Kai-Uwe (Hrsg.): Handbuch Medienpädagogik, Wiesbaden, S. 75-86.
Selzer, Joachim (2015): Daten als Ware. Spaß und Kurzweil im Überwachungsstaat, in: Außerschulische Bildung, Zeitschrift der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung (4), S. 12-18.
Spaiser, Viktoria (2013): Neue Partizipationsmöglichkeiten? Wie Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund das Internet politisch nutzen, Weinheim/Basel.
Streeck, Wolfgang (2013). Gekaufte Zeit. Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus, Berlin.
Walden, Thomas (2016): Medienkompetenz 2.1, in: in: Becker, Ulrike; Friedrichs, Henrike; von Gross, Friederike; Kaiser, Sabine (Hrsg.): Ent-Grenztes Heranwachsen, Wiesbaden, S. 233-252.
Winter, Rainer (2004): Cultural studies und kritische Pädagogik, in: MedienPädagogik, Zeitschrift für Theorie und Praxis (8), zuletzt abgerufen am 28.03.2016 unter http://www.medienpaed.com/Documents/medienpaed/8/winter0402.pdf.
Wolin, Sheldon S. (2008): Democracy Incorporated. Managed democracy and the specter of inverted totalitarianism. Princeton.
Zillien, Nicole (2009): Digitale Ungleichheit. Neue Technologien und alte Ungleichheiten in der Informations-

Werkstatt für innovative Methoden

Wir verstehen uns als Werkstatt für Entwicklung und Vermittlung innovativer Methoden, die einen barrierearmen, inklusiven und lebensweltorientierten Zugang zu Inhalten politischer Bildung ermöglichen. Die Erfahrung des Spieles ermöglicht oftmals einen Zugang zur Thematik, der weit über formal erlerntes Wissen hinaus geht.

Unser Ziel ist es, attraktive Bildungsangebote zu schaffen, die unseren Teilnehmenden, aber auch uns Freude bereiten. Unter dem Motto: „Lernen mit Spaß und Emotionen“ wollen wir - trotz der mitunter sehr komplexen Bildungsinhalte - Sachverhalte spielerisch und erlebnisorientiert vermitteln und das Interesse junger Menschen an politischen Themen wecken. Dabei gilt es, sie in ihrer Lebenswelt mit all den damit verbundenen Interessen, Wünschen, aber auch Ängsten abzuholen, um die persönlichen Verstrickungen in gesellschaftliche und politische Themen sichtbar zu machen.
Zugeschnitten auf die Lebenssituation der jeweiligen Zielgruppe und durcheinen höchstmöglichen Anteil partizipativer und handlungsorientierter Elemente arbeiten wir somit kreativ und innovativ immer wieder an neuen Zugängen und Methoden. Dabei müssen wir das „Rad“ nicht immer neu erfinden. Vielmehr gelingt es, uns etablierte Formate durch spezifische Anpassungen attraktiver und wirkungsvoller zu gestalten. Doch wir scheuen uns auch nicht, aus der „Sandbox“ heraus ganz neue Formate zu entwickeln. Wir sind ein kreatives Team, das sich jedem Entwicklungsprozess offen und mit viel Engagement stellt.
 
Hier eine Auswahl unserer bisherigen Formate:
  • Alternate Reality Games
    Stadtspiel, das mit der Verwischung von Realität und Fiktion Spiel und ein einmaliges Abenteuer ermöglicht.
  • Mini-LARPs (LARP = Live Action Role Play)
    Kurze, 1-4 stündige Rollenspiele mit Charakteren, festem Setting und einer Hintergrundgeschichte.
  • BarCamps
    Hoch partizipatives und mediales Lern-, Besprechungs- und Tagungsformat bei dem die konkreten Inhalte erst vor Ort definiert werden.
  • Erlebnisparcours
    Ob mit App-Unterstützung oder ohne: wir kreieren Indoor- und Outdoor- Erlebnisparcours mit kniffligen Rätseln und spannender Hintergrundgeschichte.
  • Escape Room Games
    Ein Ort zum Tüfteln, Rätseln, Schaudern oder Wundern...Escape Room Games sind seit einiger Zeit in aller Munde. Wir kombinieren den Trend mit gezielter Bildungsperspektive.
  • Double Blind Games
    „Doppelt Bind sein“ - Wenn es um Digitalisierung geht, scheint uns das manchmal zu passieren, In diesem Format stellen wir uns den „blinden Flecken“ mit viel Spaß und viel Aktion.


Nichts gefunden, was Sie interessiert?

  • Sie haben ein Thema, das Sie jungen Menschen näher bringen wollen, wissen aber nicht wie?
  • Sie wollen ihre Bildungsarbeit mit spielerischen Methoden erweitern?
  • Sie planen ein Projekt und suchen nach Beratung für innovative Elemente?

Dann sprechen Sie uns jederzeit gern an!

Ihre Ansprechpartner*innen

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Position: Frankfurter Erklärung

Gemeinsam mit Hochschullehrer*innen und Bildungsarbeiter*innen haben wir im Juni 2015 die "Frankfurter Erklärung: Für eine kritisch-emanzipatorische Politische Bildung" verfasst. Wir möchten uns mit der Erklärung kritisch in den Diskurs um die Grundlagen politischer Bildung einbringen.

>> Zum Text der "Frankfurter Erklärung"

Wenn Sie die "Frankfurter Erklärung" unterstützen und mitzeichnen wollen, folgen Sie bitte diesem Link:
http://www.sozarb.h-da.de/politische-jugendbildung/frankfurter-erklaerung/

Schwerpunkt: Diversität & Empowerment

Diversitätssensible Bildungsarbeit setzt in unseren Augen ein politisches Verständnis von Diversity voraus. Danach ist unsere Gesellschaft durch vielfältige Macht- und Herrschaftsverhältnisse strukturiert. Unterschiede zwischen den Mitgliedern unserer Gesellschaft sind trotz des Anspruchs auf ein multikulturelles Zusammenleben nicht egal.

Im Gegenteil: Sie artikulieren sich im täglichen Zusammenleben durch Ein- und Ausschlüsse aufgrund von sichtbaren und unsichtbaren Identitätsmerkmalen, wie Geschlecht, Religion, sozialer oder kultureller Herkunft, Staatsangehörigkeit, ‚Hautfarbe‘ und ‚Rasse‘, Alter und körperlicher Befähigung etc. Um diese verschiedenen Formen gesellschaftlicher Diskriminierung nicht als getrennt voneinander vorkommende Phänomene, sondern als sich überschneidend zu verstehen, entwickelten die US-amerikanischen Schwarzen Feministinnen Kimberley Crenshaw, Patricia Hill Collins und bell hooks das Konzept der Intersektionalität. Die konkreten Diskriminierungserfahrungen ergänzen sich danach nicht einfach, sondern ‚überqueren‘ sich angesichts der individuellen Erfahrungen der einzelnen Subjekte immer neu. Dieses Verständnis umfasst somit immer sowohl die strukturelle Ebene von Diskriminierung als Stigmatisierung bestimmter Gruppen als auch das Verständnis, dass von dem konkreten Akt der individuelle Mensch in seiner ganz besonderen Identität betroffen ist (vgl. Iris Marion Young). Es erscheint uns somit als notwendig die vielfältigen Unterdrückungs- und Diskriminierungsformen, wie Sexismus, Rassismus, Antisemitismus, Klassismus etc., als ineinander verwoben zu denken. Entgegen eines ökonomischen Verständnisses von Diversität geht es nicht darum die ‚bunte‘ Vielfalt einer bestimmten Gruppe zu zelebrieren und in Wert zu setzen, sondern darum Hierarchien und Machtbeziehungen, Ausschlussmechanismen und Privilegien etc. zu benennen, zu reflektieren und abzubauen. Universelle Rezepte erscheinen für ihre Erfassung und Überwindung als gänzlich ungeeignet.

Jugendliche und junge Erwachsene befinden sich in einer Phase der intensiven Auseinandersetzung mit Identität. Diskriminierungen, Identitätszuschreibungen und – fixierungen von außen werden in dieser Lebensphase nicht nur als besonders verletzend empfunden. Vielmehr schreiben sie sich über deren Internalisierung tief in die sich in dieser Lebensphase herausbildenden Subjekte ein und bestimmen und begrenzen damit deren Entwicklungsmöglichkeiten.
Eine politisch verstandene diversitätssensible Bildungsarbeit zielt hingegen darauf ab, dass jede*r in ihrer Gleichheit und Vielfalt an allen gesellschaftlichen Ressourcen, sei es materiellen, sozialen, kulturellen, institutionellen etc., in gleicher Art und Weise teilhaben kann und als gleichwertiger Teil der Gesellschaft anerkannt wird (vgl. Czollek/Perko/Weinbach 2011: 260). Sie muss demnach versuchen kulturelle Muster und Stereotype zu durchbrechen, welche die gesellschaftlichen Vorstellungen davon was normal ist und was nicht prägen. Gleichzeitig erstrebt sie eine Demokratisierung des Zugangs zu gesellschaftlichen Ressourcen.
Mit unseren Seminarangeboten im Bereich der diversitätssensiblen Politischen Bildung geht es uns darum einerseits die Sichtbarkeit der vielfältigen sich überschneidenden Formen von Diskriminierung aufgrund von Identitätszuschreibungen zu erhöhen und andererseits (eigene) Privilegien einer kritischen Reflexion zu unterziehen. Dabei knüpfen wir an die individuellen Erfahrungen der Teilnehmer*innen an und verdeutlichen gleichzeitig die strukturelle Ebene von Diskriminierung. Auf diese Art und Weise arbeiten wir der Tendenz entgegen, dass Zuschreibungen durch eine individualisierte Wahrnehmung der Verantwortung internalisiert werden. Durch die angeleitete spielerische Erforschung von diskriminierenden Situationen und des Ausschlusses sollen gemeinsam Wege des Widerstands gegen Diskriminierung und zu einer partnerschaftlichen Solidarität mit Menschen die aufgrund von Identitätszuschreibungen Diskriminierung erfahren gefunden werden.

Gemeinsam mit Menschen, die alltäglich Diskriminierungserfahrung machen suchen wir nach Strategien, die den Grad der Autonomie und Selbstbestimmung der Individuen und ihrer Communities erhöhen.

Ihre Ansprechpartner*innen

anna kraemer webAnna Krämer
Referentin für politische Bildung
Fokus: Diversität

Tel. 06081 912 73 23
Fax 06081 912 73 29

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Carolin qkCarolin Bernhardt
Referentin für Politische Bildung
Fokus: Diversität

Tel. 06081 91 273 27
Fax 06081 91 273 29

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Michelle Chávez c

Michelle Chávez
Referentin für Politische Bildung
Fokus: Diversität

Tel. 06081 91 273 22
Fax 06081 91 273 29

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Schwerpunkt: Kritische historische Bildung

Die Forderung, dass „Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung“. Dieser Satz des Philosophen und Soziologen Theodor W. Adorno bildet bis heute ein wichtiges Kriterium für die Auseinandersetzung mit politischen Prozessen.

Kritische historische Bildung zielt auf eine kritische Beschäftigung mit Herrschaft, Ausgrenzung und Verfolgung im Nationalsozialismus ab. Sie hat Wissenserwerb, die reflektierte Distanz und die Möglichkeit eines Perspektivenwechsel zum Ziel. Über die historische Auseinandersetzung wird die Kontinuität von Ideologien der Ungleichwertigkeit bis heute sichtbar und die Teilnehmenden dafür sensibilisiert.

Mit unseren Gedenkstättenfahrten möchten wir Jugendlichen deutsche Geschichte erfahrbar machen und sie für die daraus erwachsende politische Verantwortung sensibilisieren. Wir bieten politische Bildungsseminare zum Nationalsozialismus an und organisieren Exkursionen zu „Stätten deutscher Geschichte“. In der Seminararbeit „vor Ort“ begeben wir uns auf Spurensuchen zur deutschen Geschichte, informieren, geben Gelegenheit zur Diskussion und zur kritischen Reflexion und stellen Bezüge zu aktuellen politischen Debatten her. Auch hier ist uns ein lebensweltnaher Zugang sehr wichtig, um die Alltäglichkeit des Geschehens zu diskutieren. Besonderen Wert legen wir auf die Dokumentation der Arbeitsergebnisse, wobei wir auf klassische wie digitale Medien zurückgreifen.

Da gerade die Themen Holocaust und Nationalsozialismus Jugendliche emotional überwältigen können, sind uns auch hier die Grundlagen der Frankfurter Erklärung besonders wichtig. Die Erklärung zielt auf ein kritisch-emanzipatorisches Selbstverständnis Politischer Bildung, das sich im Sinne der Aufklärung und Sensibilisierung für Diskriminierung an einer demokratisch politischen Herangehensweise orientiert. Uns ist vor allem eine multiperspektivische Herangehensweise wichtig, um über die Geschichten von Täter*innen, Opfern und Zuschauer*innen des Nationalsozialismus auch über Widerstand und Flucht zu sprechen und somit vereinfachende Bilder und Analogien zu vermeiden.

Ihre Ansprechpartner*innen

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Referentin für politische Bildung
Fokus: Diversität

Tel. 06081 912 73 23
Fax 06081 912 73 29

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Michelle Chávez
Referentin für Politische Bildung

Tel. 06081 91 273 22
Fax 06081 91 273 29

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Projekt: Politisch motivierte Gewalt erforschen

Das Projekt Politisch motivierte Gewalt erforschen. Mit kritischer Medienkompetenz Terrorismus verstehen und für Demokratie eintreten beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen Folgen des Diskurses über Terrorismus. Eine pädagogische Handreichung und die begleitende Projektpage sind nun verfügbar.

Seit einigen Jahren gilt Terrorismus als eine wesentliche Bedrohung und Herausforderung für unsere Gesellschaft und Demokratie. Terroristische Anschläge rufen Emotionen hervor. Damit Gefühle wie Angst und Bedrohung bei Jugendlichen nicht in Hass umschlagen, müssen sie lernen die Ereignisse in ihrer gesellschaftspolitischen Reichweite zu verstehen, um ihnen so kritisch reflektiert begegnen zu können. Wesentlich ist hierbei die Frage, was Terrorismus und die medialen Diskurse über Terrorismus mit uns und der Demokratie in Deutschland machen. Aber wie können wir als politische Bildner*innen die Thematik angemessen mit Jugendlichen verhandeln?

Die Politische Bildung von basa e.V. hat zu diesen Fragen das Modellprojekt „Politisch motivierte Gewalt erforschen. Mit kritischer Medienkompetenz Terrorismus verstehen und für Demokratie eintreten“ durchgeführt. 

Unter walter.basa.de können die Ergebnisse nun abgerufen und für die eigene pädagogische Arbeit in schulischer und außerschulischer politischer Bildung genutzt werden. Die pädagogische Handreichung kann bei uns gegen Porto bestellt werden oder aber auf der Projektpage abgerufen werden.

Darüber hinaus ergeben sich aus dem Projekt folgende Seminar- und Workshopangebote:

  • Sie können uns gegen Honorar buchen, oder aber ein Seminar bei uns im Haus mit ihrer Jugendgruppe / Schulklasse besuchen.
  • Natürlich stehen wir Ihnen auch gerne als Fachreferent*innen zur Thematik zur Verfügung.
  • Multiplikator*innenfortbildung zu allen Komponenten des Projektes sind möglich – sowohl in unserem Haus als auch bei ihnen im Rahmen von In-House-Schulungen.
  • Im Rahmen unserer Werkstatt für innovative Methoden steht basa e.V. zudem gerne als Kooperationspartner*in bereit, um Spiele wie die für das Projekt entworfenen bei Ihnen umzusetzen oder für andere Themen und Kontexte zu entwickeln.

Ihre Ansprechpartnerin:

anna kraemer web Dr. Anna Maria Krämer
Referentin für politische Bildung
Fokus: Diversität

Tel. 06081 912 73 23
Fax 06081 912 73 29

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Hintergrundinfos zum Projekt

Nach den Anschlägen in Paris im November 2015 intensivierte sich erneut - wie schon nach anderen Anschlägen der jüngeren Vergangenheit - der mediale und politische Diskurs über die Ursachen und Entwicklungen des globalen Terrorismus, sowie über potenzielle Methoden der Terrorismusbekämpfung. Nicht zuletzt die Anschläge in Ansbach, München, Berlin, Istanbul oder andere regen die öffentliche Auseinandersetzung weiter an. Der Diskurs an sich ist keine neue Erscheinung. Spätestens jedoch mit der französischen Revolution fanden diese ihren festen Platz im gesellschaftspolitischen Sprachgebrauch und können bis heute als Gründungsdiskurs moderner Gesellschaften gelesen werden. Gewaltsames Handeln und die Diskurse über jenes gewaltsame Handeln sind so gesehen seit jeher als Artikulationen gesellschaftlicher Verhältnisse zu verstehen.

Gleichsam verhält es sich mit der Etymologie des Terrorismusbegriffes. Das Definition und die konkrete Beschreibung von gewaltsamen Handlungen – ob Attentate, Anschläge oder Amokläufe – als terroristische Akte, geschieht stets innerhalb historisch gewachsener, gesellschaftlicher und politischer Kontexte und Diskurse (vgl. Bechmann 2012). So ist es innerhalb der sozialwissenschaftlichen Diskussion genuiner Konsens, dass es kaum eine belastbare, eindeutige Definition des Terrorismusbegriffs gibt, respektive geben kann: Zu unterschiedlichen Zeiten und unter unterschiedlichen politischen Vorzeichen wurden und werden jeweils andere (gewaltsame) Handlungen und Organisationen als „terroristisch“ markiert (vgl. ebd.). Das liegt nicht zuletzt an den sehr unterschiedlichen Formen und Ausprägungen des jeweiligen Handelns und der entsprechenden Akteur*innen bzw. Organisationsformen. Man vergleiche in diesem Kontext beispielsweise die Anschläge von Paris, die vor dem Hintergrund des transnationalen operierenden Islamischen Staat verübt worden sind und die Anschläge des allein operierenden Terroristen Anders Breivik im November 2011 in Norwegen. Doch was im akademischen Diskurs kontrovers behandelt wird, hat in die inhaltliche Auseinandersetzungen der gesellschaftliche Mitte sowie der medialen Öffentlichkeit noch keinen Einzug erhalten. Unter dem Begriff des Terrorismus zusammengefasst erscheinen heterogene Ereignisse, die als überwältigend und bedrohlich erfahren werden. Im bisweilen wenig differenzierten Diskurs wird ihr Überwältigendes festgeschrieben und häufig in fortschreitender Dämonisierung der reflektierten Urteilsfähigkeit entzogen.

Der Verweis auf „terroristische“ Handlungen bzw. deren Akteur*innen bezeichnet in der Regel - als einzig gemeinsamer Aspekt unterschiedlicher Phänomene - den vollständigen Ausschluss aus dem Bereich gesellschaftlicher Legitimität. Paradoxerweise wird das Gesellschaftliche und Legitime so ausschließlich ex negativo konstituiert. Abgrenzungen, Verdächtigungen, Ängste und Diffamierungen ersetzen im Terrorismus-Diskurs häufig die streitbare Vergewisserung über bewahrenswerte bzw. zu entwickelnde demokratische Prinzipien und Handlungsweisen.

Der Verlust qualitativer Bestimmungen zugunsten dämonisierender Reflexe wird an zweierlei deutlich: Zum einen an der aktuell meist synonymen Verwendung der Begriffe Terror und Terrorismus, welche begriffsgeschichtlich deutlich verschiedenes bezeichnen: Terror steht für ein Instrument staatlicher Repressionspolitik, etwa von totalitären Diktaturen“, während Terrorismus ein Mittel darstellt, das „nichtstaatliche Akteure zur Bekämpfung eines Staates nutzen“ (Pfahl-Traughber 2016, 11).

Zum anderen lässt sich seit den Anschlägen von 9/11 tendenziell eine synonyme Verwendung von Terrorismus und islamistischem Terrorismus beobachten. Der Islam und Muslime werden im europäischen Kontext bisweilen unter grundsätzlichen Terrorismusverdacht gestellt. Nicht nur die Extreme Rechte sondern auch die bürgerliche Mitte bringt unter Verweis auf (vermeintliche) Terrorismusgefahren rassistische Ressentiments zum Ausdruck. Hatespeech und politisch motivierte Gewalt sind die Folge und werden mit einer (vermeintlichen) Angst vor dem Islam als potentiellem islamistischem Terrorismus zu legitimieren versucht.

Nicht zuletzt die Ereignisse nach dem Amoklauf in München haben dabei auch auf die Rolle der Presse im Terrorismusdiskurs aufmerksam gemacht. Mit Liveblogs und Liveticker kommentierten zahlreiche Medien die Geschehnisse und spekulierten öffentlichkeitswirksam über einen islamistisch-terroristischen Anschlag. Dabei verwiesen sie wiederholt auf den potentiellen Migrationshintergrund des Täters. Die Polizei hingegen tat sich während der gesamten Ereignisse durch eine objektive, nicht-spekulierende Kommunikation hervor. Im Nachgang erfuhren insbesondere die etablierten und öffentlichen Medienanstalten harsche Kritik für unsachliche und pietätlose Berichterstattung. Medien, demokratietheoretisch oft als vierte Macht im Staat beschrieben, versteiften sich auf den Terrorismusdiskurs und gingen ihm dabei gleichzeitig auf den Leim. Sie rekurrierten auf islamfeindliche Wahrnehmungen und Einstellungen und begünstigten sie zugleich.

Darüber hinaus wurde und wird der Diskurs für die Verfolgung solcher politischen Positionen genutzt, die einzig Restriktionen, Überwachung und Ausgrenzung als Garanten für mehr gesellschaftliche Sicherheit anbieten. Von Computerspiel- und Burkiniverbot über die Abschaffung der Doppelten Staatsbürgerschaft bis hin zur Verwässerung des Kooperationsverbots zwischen Polizei und Geheimdienst werden partikulare, politische Interessen und verhandelbare Positionen unter Verweis auf Terrorismusgefahren als unabdingbarer Handlungsimperativ präsentiert. Deliberative Dimensionen und das reflektierte politische Urteil des Demokratischen geraten so in Gefahr, unter die Räder eines permanenten Gefahr-in-Verzug-Argumentierens und -Handelns zu kommen.

Fragestellung des Projektes

Wir sehen für unsere Projekt drei Fragekomplexe als besonders wichtig an – und möchten sie im Rahmen unserer politischen Bildung bearbeiten:

  1. Welche gewaltsamen Handlungen werden in welchem Kontext als politisch motiviert beschrieben? Wer beschreibt diese gewaltsamen Handlungen als politisch motiviert und profitiert möglicherweise von einer solchen Kategorisierung? Welche Kanäle werden für die Artikulation dieser Kategorisierungen genutzt?
  2. Was genau beschreibt der Terrorismusdiskurs? In welches Verhältnis wird gewaltsames Handeln, politische Motivation und Terrorismus gesetzt? Welche Effekte sind die Folge? Welche Elemente werden durch die Verwendung des Terrorismusbegriffs möglicherweise übersehen? Und wie sind die mit Terrorismus assoziierten Begriffe, wie zum Beispiel Extremismus, Fundamentalismus, Militanz oder Freiheitskampf zu integrieren oder abzugrenzen?
  3. Welche Auswirkungen hat politisch motivierte Gewalt auf demokratisch verfasste Gesellschaften? Welche Auswirkungen ergeben sich für das politische System insbesondere im Hinblick auf die Beschreibung politisch motivierter Gewalt als Terrorismus und in diesem Kontext für die politische Urteilsfähigkeit (junger) Bürger*innen?

Politische Urteilsfähigkeit ist das zentrale Moment von Demokratiefähigkeit; es gilt, Verunsicherung zu reflektieren anstatt überwältigt und reflexhaft zu reagieren. Mit diesem Projekt soll eine Analyse der Diskurse um politisch motivierte Gewalt und Terrorismus mit Jugendlichen durchgeführt werden. Ziel soll es dabei sein, junge Menschen für einen reflektierten Umgang mit dem Terrorismus-begriff zu sensibilisieren und damit vor allem im Bereich der kritischen Informationsverarbeitung, Medienkompetenz und politischen Urteilsfähigkeit zu stärken. Dazu braucht es einen Zugang zu Perspektiven, die politisch motivierte Gewalt jenseits der emotional aufgeladenen Rhetorik zugänglich und verstehbar machen, ohne die subjektiv unterschiedlich wahrgenommenen Bedrohungen und Ängste der Einzelnen zu ignorieren.

Dafür erscheint es uns besonders hilfreich zu sein, Geschichte(n) politisch motivierter Gewalt zu rekonstruieren, Diskursmechanismen herauszuarbeiten und für die Analyse gegenwärtiger gesellschaftlicher Arrangements zugänglich zu machen. Dabei ist es entscheidend, eine möglichst breite Themen- und Beispielauswahl auch jenseits eurozentristischer Diskursgeschichte vorzunehmen. Neben Beispielen aus deutscher und europäischer Geschichte soll auch Gruppen und Ereignisse aus Südamerika, Afrika und Asien bearbeitet werden. Nach der Analyse historischer Diskursstränge soll der Transfer auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen vorgenommen werden um Jugendliche einerseits für die Gefahren politisch motivierter Gewalt zu sensibilisieren, andererseits auch die Risiken des gegenwärtigen Terrorismusdiskurses mit all seinen politischen Implikationen für demokratisch verfasste Gesellschaften zu erkennen.

Welche Ziele verfolgen wir mit unserem Projekt?

Wir stellen uns der großen Herausforderung, den komplexen und unübersichtlichen Diskurs um politisch motivierte Gewalt und Terrorismus jungen Menschen zugänglich zu machen, um einerseits Bezüge zur eigenen Lebenswelt herstellen und andererseits reflektierte, politische Positionen zu oben benannten Fragestellungen entwickeln zu können.
Dabei verfolgen wir folgende Ziele:

  • Sensibilisierung für die Zusammenhänge von öffentlicher Diskussion, medialer Berichterstattung, Terrorismus und Stigmatisierung von Personengruppen
  • Sensibilisierung für strukturelle, rassistische Ungleichwertigkeitsideologien und „kriminellen Generalverdacht“
  • Bedeutung demokratischer Normen und Möglichkeiten ihrer (staatlichen) Durchsetzung
  • Förderung der kritischen Medienkompetenz und Informationsverarbeitung
  • Erkenntnisse über die Bedeutung politisch motivierter Gewalt für die drei Dimensionen des Demokratischen als Staats-, Gesellschafts- und Lebensform entlang jugendlicher Perspektiven und Lebenswelten
  • Erprobung und Erleben von Entscheidungs- und Handlungsoptionen im Rahmen spielorientierter Methoden
  • Reflexion von politischer Urteilbildung

Wie verorten wir unser Projekt?

Mit unserem Projekt möchten wir uns kritisch-reflexiv mit der aktuellen Diskussion um Terrorismus auseinandersetzen. Dazu wird der Fokus des Projekts auf politisch motivierte Gewalt gelegt, die im gesellschaftlichen Diskurs als terroristisch beschrieben wird/worden ist. Es wird hierbei an den Gewaltbegriff Heinrich Popitz angeknüpft, der Gewalt als eine „Machtaktion [versteht], die zur absichtlichen körperlichen Verletzung anderer führt, gleichgültig, ob sie für den Ausführenden ihren Sinn im Vollzug selbst hat [...] oder, in Drohungen umgesetzt, zu einer dauerhaften Unterwerfung [...] führen soll“ (Popitz 1986, 48). Der Fokus im Kontext dieses Projekts liegt auf der instrumentalisierten Gewalt zum Zweck der dauerhaften Unterwerfung und Machterlangung. Popitz, analog etwa zu Max Weber, weist darauf hin, dass Gewalt und Gewalteindämmung die vordringlichste Aufgabe des Staates und die Grundlage sozialer Ordnung darstellt. Durch das Gewaltmonopol werden Normen geschützt und eine dauerhafte Gewaltbegrenzung geschaffen. So beschreibt „politisch motivierte Gewalt“ insbesondere jene instrumentalisierten Gewalttaten, die sich gegen die gegenwärtige demokratische Ordnung richten und Normen sowie (staatliche) Institutionalisierungen der Gewaltbegrenzung zu beseitigen suchen. In diesem Sinne möchte das geplante Vorhaben Terrorismus als politisch motivierte Gewalt erforschen und prüfen, auf welche Weise und mit welchen Mitteln Menschen gewaltsam gegen demokratische Normen und Ordnungen agieren und zugleich welcher Diskurs und welche Diskursmechanismen das gesellschaftspolitische Sprechen über politische motivierte Gewalt bestimmen.

In diesem Kontext gilt es, die machtkonstituierenden Verknüpfungen von Terrorismus und Geschlecht auf personaler, institutioneller und symbolischer Ebene nicht auszublenden. Aus diskursanalytischer Sicht gilt dies insbesondere auch für den sogenannten „Embedded Feminism“, also „einer spezifischen Einlagerung vermeintlich feministischer Argumentationen in Legitimationsdiskurse für terrorismusbekämpfende und darüber hinausgehende Gewaltformen von Seiten legitimierter nationalstaatlicher AkteurInnen und Instititutionen“ (Brunner 2009, 3). Gerade in der gesellschaftlichen Diskussion, wie Frauen* zu Terroristinnen* werden, finden sich patriarchale Erklärungsmuster: Frauen* kämpfen als Mütter für ihre Söhne, als Rächerinnen* ihres Ehemanns oder Bruders. Es wird oft ein Bild von Frauen* gezeichnet, welches in den Mustern der als traditionell abgewerteten Gesellschaft verhaftet bleibt – als sei nur in der westlichen Welt die Uhr weitergelaufen.

Wie arbeiten wir?

Im Rahmen des Projekts setzen sich die Teilnehmenden umfassend mit Medien, Berichterstattung und politischer Kommunikation auseinander. Eine zentrale Rolle spielt dabei der methodische Einsatz des Mediums Radio: Junge Menschen gestalten in Seminaren Radiosendungen zu unterschiedlichen Themen und entwickeln so eine eigene Position, die sie öffentlich artikulieren.

Die Konzeption der Seminare ist stets modular aufgebaut: unabhängig vom Schwerpunktthema erfolgt die Einführung ins Seminar durch einen standardisierten Einstieg in die (Definitions-)Geschichte(n) politischer Gewalt und Terrorismus, sowie deren gesellschaftlichen und historischen Bedeutung(en). Hierbei wird sowohl auf klassische dialog- und reflexionsfördernde Methoden der Jugendbildungsarbeit, als auch auf medienpädagogische und erlebnispädagogische Einheiten zurück gegriffen. So leitet die von basa e.V. entwickelte Methode der Mini-LARPs (LARP = Live Action Role Play) in eine Diskussion über Legitimation von Gewalt und der Problematik der Definierung ein. Spielerisch setzen sich die Jugendlichen hier mit der Frage legitimster Mittel aus unterschiedlichen Perspektiven und Blickwinkeln auseinander. Dazu kommt eine medienpädagogisch begleitete Recherche auf jugendnahen Plattformen wie YouTube.
Anschließend folgt die Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Schwerpunktthema der Veranstaltung. Die Modulthemen sind dabei nicht als getrennte, abgeschlossene Einheiten zu betrachten. In einigen Themen wird es inhaltlich Überschneidungen geben, die auch im Seminar thematisiert werden. Die Module dienen lediglich der Einrahmung und Fokussierung der Inhalte, um die Seminare in Hinblick der Komplexität der Thematik, nicht zu überfrachten. In diesem Hinblick sei vor allem das Ziel der ersten Impulsgebung und Sensibilisierung für den Diskurs bei den Jugendlich noch einmal erwähnt.

Die Inhalte der Schwerpunktmodule werden somit vor allem in Hinblick auf die Legitimierung politischer Gewalt, der politischen Motive und der Kommunikationsformen reflektiert, um eine prinzipielle, diskursive und reflektierte Haltung der Jugendlichen zu fördern. Dabei kommen unterschiedliche globale Analyseperspektiven zum Tragen, um einer eurozentrischen Eindimensionalität entgegen zu wirken. Ferner sollen die Intentionen der terroristischen Akte analysiert und mit der realen gesellschaftspolitischen Wirkung verglichen werden.
Um an den Interessen der Teilnehmenden anzuknüpfen wird zu den Themenfeldern jeweils ein medialer Zugang, der eine sogenannte "Türöffner-Funktion" einnimmt, gewählt. Die überwiegend filmischen Medien sollen hierbei kritisch-reflexiv im Kontext der Thematik betrachtet und bewertet werden.

Zum Abschluss des Seminars gestalten die Teilnehmenden eine Radiosendung zum Thema, die live von einem regionalen Radio gesendet wird. Die entstanden Beiträge sind Grundlage für unser online Podcast-Archiv zum Thema politisch motivierte Gewalt und Terrorismus. Zum einen werden die gesendeten Beiträge weiterhin verfügbar gehalten, zum anderen als Open Educational Ressource mit weiteren Inhalten und didaktischen Materialien anderen Einrichtungen ergänzt und zur Verfügung gestellt werden.

Wie geht es nach dem Seminar weiter?

Die Seminarteilnehmenden werden im Anschluss zu dem Alternate Reality Game „The Great Fear“ eingeladen, einem urbanen Abenteuerspiel, das im Frühjahr 2019 in Frankfurt am Main stattfindet. Unabhängig davon, welches Schwerpunktthema die Teilnehmenden in ihrem zuvor besuchten Seminar bearbeitet haben, haben sie dabei gelernt Informationsquellen zu analysieren, Meldungen zu hinterfragen und von verschiedenen Blickwinkeln aus zu beleuchten, um sich ein dezidiertes Urteil über einen Sachverhalt zu bilden. Nun sollen sie das Gelernte selbst in einem erlebnispädagogischen, urbanen Detektivspiel anwenden und umsetzen, um die konkreten Ansatzpunkte für die eigene Lebenswelt zu erkennen.

In der Geschichte von „The Great Fear“werden die Teilnehmer*innen auf einen drohenden öko-terroristischen Anschlag aufmerksam und beginnen zu ermitteln, um den Anschlag noch zu verhindern. Doch die vielfältigen Akteure lassen eine chaotische Situation entstehen, bei der es nicht mehr so klar ist, wer die wirklichen Attentäter*innen sind. Die Teilnehmenden werden im Rahmen des Spiels auf diese heterogenen Gruppen treffen und versuchen heraus zu finden, wer die Attentäter*innen sind, was sie erreichen wollen und wie sie den Anschlag mit seinen Folgen verhindern können.

Bei Ihren Untersuchungen werden die Teilnehmenden mit einer Fülle von widersprüchlichen Informationen und Theorien überschüttet. Sie müssen die gesammelten Informationen zusamme-tragen und permanent Entscheidungen treffen, während sie von den Akteur*innengruppen, wie auch über fingierte Nachrichtenartikel, Homepages oder Social Media Beiträge immer weiter mit neuen Informationen versorgt werden.

Hierbei können die Teilnehmenden ihre kritische Informations- und Medienkompetenz erweitern, die sie im Rahmen verschiedener analytischer Methoden in den vorangegangenen Seminaren erlernt haben. So kann es ihnen gelingen, die wichtigen von den unwichtigen Informationen zu unterscheiden, die Wertigkeit dieser zu prüfen und in der Flut vermeintlicher Fakten den Überblick zu bewahren.

Wer ist bei diesem Projekt beteiligt?

Das Projekt wird im wesentlich durch unsere Referentin Dr. Anna Maria Krämer koordiniert und durchgeführt. Unterstützt wird sie durch das Team der hauptamtlichen Bildungsreferent*innen der politischen Bildung bei basa e.V. Die Seminare werden gemeinsam mit unserem freiberuflichen Referent*innenteam durchgeführt. In diesem Projekt arbeiten insbesondere folgende Personen mit:

  • Johannes Burkhard
  • Toma El-Sarout
  • Peter Gotthardt
  • Stephanie Häusinger
  • Anja Ibes
  • Verena Krass
  • Geneviève Lassey
  • Sibylle Nau
  • Felix Platz
  • Mirjam Tutzer

Unsere Arbeit wird von einem Projektbeirat begleitet. Er berät die Projektleitung in inhaltlichen und didaktischen Fragen und begleitet die Erstellung des Wissensarchivs. Darüber hinaus stellt er die inhaltliche Qualität der Bildungsveranstaltung im Rahmen des internen Berichtswesens sicher:

  • Stephan Bundschuh (Hochschule Koblenz, Professur in den Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt auf Autoritarismusforschung)
  • Jana Kärgel (BpB, Fachbereich Extremismus)
  • Michaela Köttig (Frankfurt University of Applied Sciences, Professorin für Grundlagen der Gesprächsführung, Kommunikation und Konfliktbewältigung)
  • Finn Sörje (wannseeForum, Koordinator der Politischen Bildung)
  • Bettina Zurstrassen (Universität Bielefeld, Professorin für Didaktik der Sozialwissenschaften)

 

Literatur

Bechmann, Jutta (2012): Terrorismus: Definitionskontroverse, historische Reflexion und politische Auswirkungen; Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn, S.44ff.

Brunner, Claudia (2009): Wenn die Terrorismusforschung zum Feminismus konvertiert, Zusammenfassung des Vortrags vom 28. Oktober 2009, zuletzt abgerufen am 24.08.2016 unter-http://www.gwi-boell.de/sites/default/files/assets/gwi-boell.de/images/downloads/gwi.hbs.281009.brunner.pdf

Pfahl-Traughber, Armin (2016): Terrorismus - Merkmale, Formen und Abgrenzungsprobleme, in: APuZ, 66.Jahrgang, 24-25/2016, herausgegebene von der BpB, Bonn, S.10-18.

Popitz, Heinrich (1986): Phänomene der Macht, Tübingen.

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