Politische Bildung

Egal ob Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Deutsche Geschichte, Terrorismus oder Digitalisierung: Wir wollen aktuelle und herausfordernde gesellschaftspolitische Themen diskutieren. Dazu veranstalten wir Workshops, Seminare und Tagungen für junge Leute und Multiplikator*innen. Wir orientieren uns an emanzipatorischen Grundsätzen und treten in unserer Arbeit für Demokratie und Selbstbestimmung ein. Wir wollen genau nachfragen und einen diversitätssensiblen, macht- und herrschaftskritischen Blick einnehmen. Dafür entwickeln wir immer wieder neue Konzepte, Ansätze und Methoden.

Team

  • Dr. Anna Maria Krämer
  • Christian Kirschner
  • Dana Meyer
  • Elen Tsegaye Haile

anna kraemer webDr. Anna Maria Krämer
Referentin für politische Bildung
Fokus: Diversität

Tel. 06081 912 73 23
Fax 06081 912 73 29

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christian kirschner webChristian Kirschner
Referent für politische Bildung
Fokus: Digitalisierung

Tel. 06081 912 73 21 WhatsApp Logo 1Signal Blue Icon
Fax 06081 912 73 29

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dana meyer web

Dana Meyer

Referentin für politische Bildung
Fokus: Ungleichwertigkeitsideologien

Tel. 06081 912 73 22
Fax 06081 912 73 29

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ElenElen Tsegaye Haile

Verwaltung politische Bildung

Tel. 06081 912 73 13
Fax 06081 912 73 29

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Projekt: Politisch motivierte Gewalt erforschen

terrorismus

Unser Projekt „Politisch motivierte Gewalt erforschen“ setzt sich mit politisch motivierter Gewalt und deren häufiger Benennung als Terrorismus auseinander. Wir beleuchten die historische Entwicklung des Diskurses sowie verschiedene Merkmale, Formen und Motive von Terrorismus.

Nach den Anschlägen in Paris im November 2015 intensivierte sich erneut - wie schon nach anderen Anschlägen der jüngeren Vergangenheit - der mediale und politische Diskurs über die Ursachen und Entwicklungen des globalen Terrorismus, sowie über potenzielle Methoden der Terrorismusbekämpfung. Nicht zuletzt die Anschläge in Ansbach, München, Berlin, Istanbul oder andere regen die öffentliche Auseinandersetzung weiter an. Der Diskurs an sich ist keine neue Erscheinung. Spätestens jedoch mit der französischen Revolution fanden diese ihren festen Platz im gesellschaftspolitischen Sprachgebrauch und können bis heute als Gründungsdiskurs moderner Gesellschaften gelesen werden. Gewaltsames Handeln und die Diskurse über jenes gewaltsame Handeln sind so gesehen seit jeher als Artikulationen gesellschaftlicher Verhältnisse zu verstehen.

Gleichsam verhält es sich mit der Etymologie des Terrorismusbegriffes. Das Definition und die konkrete Beschreibung von gewaltsamen Handlungen – ob Attentate, Anschläge oder Amokläufe – als terroristische Akte, geschieht stets innerhalb historisch gewachsener, gesellschaftlicher und politischer Kontexte und Diskurse (vgl. Bechmann 2012). So ist es innerhalb der sozialwissenschaftlichen Diskussion genuiner Konsens, dass es kaum eine belastbare, eindeutige Definition des Terrorismusbegriffs gibt, respektive geben kann: Zu unterschiedlichen Zeiten und unter unterschiedlichen politischen Vorzeichen wurden und werden jeweils andere (gewaltsame) Handlungen und Organisationen als „terroristisch“ markiert (vgl. ebd.). Das liegt nicht zuletzt an den sehr unterschiedlichen Formen und Ausprägungen des jeweiligen Handelns und der entsprechenden Akteur*innen bzw. Organisationsformen. Man vergleiche in diesem Kontext beispielsweise die Anschläge von Paris, die vor dem Hintergrund des transnationalen operierenden Islamischen Staat verübt worden sind und die Anschläge des allein operierenden Terroristen Anders Breivik im November 2011 in Norwegen. Doch was im akademischen Diskurs kontrovers behandelt wird, hat in die inhaltliche Auseinandersetzungen der gesellschaftliche Mitte sowie der medialen Öffentlichkeit noch keinen Einzug erhalten. Unter dem Begriff des Terrorismus zusammengefasst erscheinen heterogene Ereignisse, die als überwältigend und bedrohlich erfahren werden. Im bisweilen wenig differenzierten Diskurs wird ihr Überwältigendes festgeschrieben und häufig in fortschreitender Dämonisierung der reflektierten Urteilsfähigkeit entzogen.

Der Verweis auf „terroristische“ Handlungen bzw. deren Akteur*innen bezeichnet in der Regel - als einzig gemeinsamer Aspekt unterschiedlicher Phänomene - den vollständigen Ausschluss aus dem Bereich gesellschaftlicher Legitimität. Paradoxerweise wird das Gesellschaftliche und Legitime so ausschließlich ex negativo konstituiert. Abgrenzungen, Verdächtigungen, Ängste und Diffamierungen ersetzen im Terrorismus-Diskurs häufig die streitbare Vergewisserung über bewahrenswerte bzw. zu entwickelnde demokratische Prinzipien und Handlungsweisen.

Der Verlust qualitativer Bestimmungen zugunsten dämonisierender Reflexe wird an zweierlei deutlich: Zum einen an der aktuell meist synonymen Verwendung der Begriffe Terror und Terrorismus, welche begriffsgeschichtlich deutlich verschiedenes bezeichnen: Terror steht für ein Instrument staatlicher Repressionspolitik, etwa von totalitären Diktaturen“, während Terrorismus ein Mittel darstellt, das „nichtstaatliche Akteure zur Bekämpfung eines Staates nutzen“ (Pfahl-Traughber 2016, 11).

Zum anderen lässt sich seit den Anschlägen von 9/11 tendenziell eine synonyme Verwendung von Terrorismus und islamistischem Terrorismus beobachten. Der Islam und Muslime werden im europäischen Kontext bisweilen unter grundsätzlichen Terrorismusverdacht gestellt. Nicht nur die Extreme Rechte sondern auch die bürgerliche Mitte bringt unter Verweis auf (vermeintliche) Terrorismusgefahren rassistische Ressentiments zum Ausdruck. Hatespeech und politisch motivierte Gewalt sind die Folge und werden mit einer (vermeintlichen) Angst vor dem Islam als potentiellem islamistischem Terrorismus zu legitimieren versucht.

Nicht zuletzt die Ereignisse nach dem Amoklauf in München haben dabei auch auf die Rolle der Presse im Terrorismusdiskurs aufmerksam gemacht. Mit Liveblogs und Liveticker kommentierten zahlreiche Medien die Geschehnisse und spekulierten öffentlichkeitswirksam über einen islamistisch-terroristischen Anschlag. Dabei verwiesen sie wiederholt auf den potentiellen Migrationshintergrund des Täters. Die Polizei hingegen tat sich während der gesamten Ereignisse durch eine objektive, nicht-spekulierende Kommunikation hervor. Im Nachgang erfuhren insbesondere die etablierten und öffentlichen Medienanstalten harsche Kritik für unsachliche und pietätlose Berichterstattung. Medien, demokratietheoretisch oft als vierte Macht im Staat beschrieben, versteiften sich auf den Terrorismusdiskurs und gingen ihm dabei gleichzeitig auf den Leim. Sie rekurrierten auf islamfeindliche Wahrnehmungen und Einstellungen und begünstigten sie zugleich.

Darüber hinaus wurde und wird der Diskurs für die Verfolgung solcher politischen Positionen genutzt, die einzig Restriktionen, Überwachung und Ausgrenzung als Garanten für mehr gesellschaftliche Sicherheit anbieten. Von Computerspiel- und Burkiniverbot über die Abschaffung der Doppelten Staatsbürgerschaft bis hin zur Verwässerung des Kooperationsverbots zwischen Polizei und Geheimdienst werden partikulare, politische Interessen und verhandelbare Positionen unter Verweis auf Terrorismusgefahren als unabdingbarer Handlungsimperativ präsentiert. Deliberative Dimensionen und das reflektierte politische Urteil des Demokratischen geraten so in Gefahr, unter die Räder eines permanenten Gefahr-in-Verzug-Argumentierens und -Handelns zu kommen.

Fragestellung des Projektes

Wir sehen für unsere Projekt drei Fragekomplexe als besonders wichtig an – und möchten sie im Rahmen unserer politischen Bildung bearbeiten:

  1. Welche gewaltsamen Handlungen werden in welchem Kontext als politisch motiviert beschrieben? Wer beschreibt diese gewaltsamen Handlungen als politisch motiviert und profitiert möglicherweise von einer solchen Kategorisierung? Welche Kanäle werden für die Artikulation dieser Kategorisierungen genutzt?
  2. Was genau beschreibt der Terrorismusdiskurs? In welches Verhältnis wird gewaltsames Handeln, politische Motivation und Terrorismus gesetzt? Welche Effekte sind die Folge? Welche Elemente werden durch die Verwendung des Terrorismusbegriffs möglicherweise übersehen? Und wie sind die mit Terrorismus assoziierten Begriffe, wie zum Beispiel Extremismus, Fundamentalismus, Militanz oder Freiheitskampf zu integrieren oder abzugrenzen?
  3. Welche Auswirkungen hat politisch motivierte Gewalt auf demokratisch verfasste Gesellschaften? Welche Auswirkungen ergeben sich für das politische System insbesondere im Hinblick auf die Beschreibung politisch motivierter Gewalt als Terrorismus und in diesem Kontext für die politische Urteilsfähigkeit (junger) Bürger*innen?

Politische Urteilsfähigkeit ist das zentrale Moment von Demokratiefähigkeit; es gilt, Verunsicherung zu reflektieren anstatt überwältigt und reflexhaft zu reagieren. Mit diesem Projekt soll eine Analyse der Diskurse um politisch motivierte Gewalt und Terrorismus mit Jugendlichen durchgeführt werden. Ziel soll es dabei sein, junge Menschen für einen reflektierten Umgang mit dem Terrorismus-begriff zu sensibilisieren und damit vor allem im Bereich der kritischen Informationsverarbeitung, Medienkompetenz und politischen Urteilsfähigkeit zu stärken. Dazu braucht es einen Zugang zu Perspektiven, die politisch motivierte Gewalt jenseits der emotional aufgeladenen Rhetorik zugänglich und verstehbar machen, ohne die subjektiv unterschiedlich wahrgenommenen Bedrohungen und Ängste der Einzelnen zu ignorieren.

Dafür erscheint es uns besonders hilfreich zu sein, Geschichte(n) politisch motivierter Gewalt zu rekonstruieren, Diskursmechanismen herauszuarbeiten und für die Analyse gegenwärtiger gesellschaftlicher Arrangements zugänglich zu machen. Dabei ist es entscheidend, eine möglichst breite Themen- und Beispielauswahl auch jenseits eurozentristischer Diskursgeschichte vorzunehmen. Neben Beispielen aus deutscher und europäischer Geschichte soll auch Gruppen und Ereignisse aus Südamerika, Afrika und Asien bearbeitet werden. Nach der Analyse historischer Diskursstränge soll der Transfer auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen vorgenommen werden um Jugendliche einerseits für die Gefahren politisch motivierter Gewalt zu sensibilisieren, andererseits auch die Risiken des gegenwärtigen Terrorismusdiskurses mit all seinen politischen Implikationen für demokratisch verfasste Gesellschaften zu erkennen.

Welche Ziele verfolgen wir mit unserem Projekt?

Wir stellen uns der großen Herausforderung, den komplexen und unübersichtlichen Diskurs um politisch motivierte Gewalt und Terrorismus jungen Menschen zugänglich zu machen, um einerseits Bezüge zur eigenen Lebenswelt herstellen und andererseits reflektierte, politische Positionen zu oben benannten Fragestellungen entwickeln zu können.
Dabei verfolgen wir folgende Ziele:

  • Sensibilisierung für die Zusammenhänge von öffentlicher Diskussion, medialer Berichterstattung, Terrorismus und Stigmatisierung von Personengruppen
  • Sensibilisierung für strukturelle, rassistische Ungleichwertigkeitsideologien und „kriminellen Generalverdacht“
  • Bedeutung demokratischer Normen und Möglichkeiten ihrer (staatlichen) Durchsetzung
  • Förderung der kritischen Medienkompetenz und Informationsverarbeitung
  • Erkenntnisse über die Bedeutung politisch motivierter Gewalt für die drei Dimensionen des Demokratischen als Staats-, Gesellschafts- und Lebensform entlang jugendlicher Perspektiven und Lebenswelten
  • Erprobung und Erleben von Entscheidungs- und Handlungsoptionen im Rahmen spielorientierter Methoden
  • Reflexion von politischer Urteilbildung

Wie verorten wir unser Projekt?

Mit unserem Projekt möchten wir uns kritisch-reflexiv mit der aktuellen Diskussion um Terrorismus auseinandersetzen. Dazu wird der Fokus des Projekts auf politisch motivierte Gewalt gelegt, die im gesellschaftlichen Diskurs als terroristisch beschrieben wird/worden ist. Es wird hierbei an den Gewaltbegriff Heinrich Popitz angeknüpft, der Gewalt als eine „Machtaktion [versteht], die zur absichtlichen körperlichen Verletzung anderer führt, gleichgültig, ob sie für den Ausführenden ihren Sinn im Vollzug selbst hat [...] oder, in Drohungen umgesetzt, zu einer dauerhaften Unterwerfung [...] führen soll“ (Popitz 1986, 48). Der Fokus im Kontext dieses Projekts liegt auf der instrumentalisierten Gewalt zum Zweck der dauerhaften Unterwerfung und Machterlangung. Popitz, analog etwa zu Max Weber, weist darauf hin, dass Gewalt und Gewalteindämmung die vordringlichste Aufgabe des Staates und die Grundlage sozialer Ordnung darstellt. Durch das Gewaltmonopol werden Normen geschützt und eine dauerhafte Gewaltbegrenzung geschaffen. So beschreibt „politisch motivierte Gewalt“ insbesondere jene instrumentalisierten Gewalttaten, die sich gegen die gegenwärtige demokratische Ordnung richten und Normen sowie (staatliche) Institutionalisierungen der Gewaltbegrenzung zu beseitigen suchen. In diesem Sinne möchte das geplante Vorhaben Terrorismus als politisch motivierte Gewalt erforschen und prüfen, auf welche Weise und mit welchen Mitteln Menschen gewaltsam gegen demokratische Normen und Ordnungen agieren und zugleich welcher Diskurs und welche Diskursmechanismen das gesellschaftspolitische Sprechen über politische motivierte Gewalt bestimmen.

In diesem Kontext gilt es, die machtkonstituierenden Verknüpfungen von Terrorismus und Geschlecht auf personaler, institutioneller und symbolischer Ebene nicht auszublenden. Aus diskursanalytischer Sicht gilt dies insbesondere auch für den sogenannten „Embedded Feminism“, also „einer spezifischen Einlagerung vermeintlich feministischer Argumentationen in Legitimationsdiskurse für terrorismusbekämpfende und darüber hinausgehende Gewaltformen von Seiten legitimierter nationalstaatlicher AkteurInnen und Instititutionen“ (Brunner 2009, 3). Gerade in der gesellschaftlichen Diskussion, wie Frauen* zu Terroristinnen* werden, finden sich patriarchale Erklärungsmuster: Frauen* kämpfen als Mütter für ihre Söhne, als Rächerinnen* ihres Ehemanns oder Bruders. Es wird oft ein Bild von Frauen* gezeichnet, welches in den Mustern der als traditionell abgewerteten Gesellschaft verhaftet bleibt – als sei nur in der westlichen Welt die Uhr weitergelaufen.

Wie arbeiten wir?

Im Rahmen des Projekts setzen sich die Teilnehmenden umfassend mit Medien, Berichterstattung und politischer Kommunikation auseinander. Eine zentrale Rolle spielt dabei der methodische Einsatz des Mediums Radio: Junge Menschen gestalten in Seminaren Radiosendungen zu unterschiedlichen Themen und entwickeln so eine eigene Position, die sie öffentlich artikulieren.

Die Konzeption der Seminare ist stets modular aufgebaut: unabhängig vom Schwerpunktthema erfolgt die Einführung ins Seminar durch einen standardisierten Einstieg in die (Definitions-)Geschichte(n) politischer Gewalt und Terrorismus, sowie deren gesellschaftlichen und historischen Bedeutung(en). Hierbei wird sowohl auf klassische dialog- und reflexionsfördernde Methoden der Jugendbildungsarbeit, als auch auf medienpädagogische und erlebnispädagogische Einheiten zurück gegriffen. So leitet die von basa e.V. entwickelte Methode der Mini-LARPs (LARP = Live Action Role Play) in eine Diskussion über Legitimation von Gewalt und der Problematik der Definierung ein. Spielerisch setzen sich die Jugendlichen hier mit der Frage legitimster Mittel aus unterschiedlichen Perspektiven und Blickwinkeln auseinander. Dazu kommt eine medienpädagogisch begleitete Recherche auf jugendnahen Plattformen wie YouTube.
Anschließend folgt die Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Schwerpunktthema der Veranstaltung. Die Modulthemen sind dabei nicht als getrennte, abgeschlossene Einheiten zu betrachten. In einigen Themen wird es inhaltlich Überschneidungen geben, die auch im Seminar thematisiert werden. Die Module dienen lediglich der Einrahmung und Fokussierung der Inhalte, um die Seminare in Hinblick der Komplexität der Thematik, nicht zu überfrachten. In diesem Hinblick sei vor allem das Ziel der ersten Impulsgebung und Sensibilisierung für den Diskurs bei den Jugendlich noch einmal erwähnt.

Die Inhalte der Schwerpunktmodule werden somit vor allem in Hinblick auf die Legitimierung politischer Gewalt, der politischen Motive und der Kommunikationsformen reflektiert, um eine prinzipielle, diskursive und reflektierte Haltung der Jugendlichen zu fördern. Dabei kommen unterschiedliche globale Analyseperspektiven zum Tragen, um einer eurozentrischen Eindimensionalität entgegen zu wirken. Ferner sollen die Intentionen der terroristischen Akte analysiert und mit der realen gesellschaftspolitischen Wirkung verglichen werden.
Um an den Interessen der Teilnehmenden anzuknüpfen wird zu den Themenfeldern jeweils ein medialer Zugang, der eine sogenannte "Türöffner-Funktion" einnimmt, gewählt. Die überwiegend filmischen Medien sollen hierbei kritisch-reflexiv im Kontext der Thematik betrachtet und bewertet werden.

Zum Abschluss des Seminars gestalten die Teilnehmenden eine Radiosendung zum Thema, die live von einem regionalen Radio gesendet wird. Die entstanden Beiträge sind Grundlage für unser online Podcast-Archiv zum Thema politisch motivierte Gewalt und Terrorismus. Zum einen werden die gesendeten Beiträge weiterhin verfügbar gehalten, zum anderen als Open Educational Ressource mit weiteren Inhalten und didaktischen Materialien anderen Einrichtungen ergänzt und zur Verfügung gestellt werden.

Wie geht es nach dem Seminar weiter?

Die Seminarteilnehmenden werden im Anschluss zu dem Alternate Reality Game „The Great Fear“ eingeladen, einem urbanen Abenteuerspiel, das im Frühjahr 2019 in Frankfurt am Main stattfindet. Unabhängig davon, welches Schwerpunktthema die Teilnehmenden in ihrem zuvor besuchten Seminar bearbeitet haben, haben sie dabei gelernt Informationsquellen zu analysieren, Meldungen zu hinterfragen und von verschiedenen Blickwinkeln aus zu beleuchten, um sich ein dezidiertes Urteil über einen Sachverhalt zu bilden. Nun sollen sie das Gelernte selbst in einem erlebnispädagogischen, urbanen Detektivspiel anwenden und umsetzen, um die konkreten Ansatzpunkte für die eigene Lebenswelt zu erkennen.

In der Geschichte von „The Great Fear“werden die Teilnehmer*innen auf einen drohenden öko-terroristischen Anschlag aufmerksam und beginnen zu ermitteln, um den Anschlag noch zu verhindern. Doch die vielfältigen Akteure lassen eine chaotische Situation entstehen, bei der es nicht mehr so klar ist, wer die wirklichen Attentäter*innen sind. Die Teilnehmenden werden im Rahmen des Spiels auf diese heterogenen Gruppen treffen und versuchen heraus zu finden, wer die Attentäter*innen sind, was sie erreichen wollen und wie sie den Anschlag mit seinen Folgen verhindern können.

Bei Ihren Untersuchungen werden die Teilnehmenden mit einer Fülle von widersprüchlichen Informationen und Theorien überschüttet. Sie müssen die gesammelten Informationen zusamme-tragen und permanent Entscheidungen treffen, während sie von den Akteur*innengruppen, wie auch über fingierte Nachrichtenartikel, Homepages oder Social Media Beiträge immer weiter mit neuen Informationen versorgt werden.

Hierbei können die Teilnehmenden ihre kritische Informations- und Medienkompetenz erweitern, die sie im Rahmen verschiedener analytischer Methoden in den vorangegangenen Seminaren erlernt haben. So kann es ihnen gelingen, die wichtigen von den unwichtigen Informationen zu unterscheiden, die Wertigkeit dieser zu prüfen und in der Flut vermeintlicher Fakten den Überblick zu bewahren.

Wer ist bei diesem Projekt beteiligt?

Das Projekt wird im wesentlich durch unsere Referentin Anna Maria Krämer koordiniert und durchgeführt. Unterstützt wird sie durch das Team der hauptamtlichen Bildungsreferent*innen der politischen Bildung bei basa e.V., also Christian Kirschner und Dana Meyer. Die Seminare werden gemeinsam mit unserem freiberuflichen Referent*innenteam durchgeführt. In diesem Projekt arbeiten insbesondere folgende Personen mit:

  • Johannes Burkhard
  • Toma El-Sarout
  • Peter Gotthardt
  • Stephanie Häusinger
  • Anja Ibes
  • Verena Krass
  • Geneviève Lassey
  • Sibylle Nau
  • Felix Platz
  • Mirjam Tutzer

Unsere Arbeit wird von einem Projektbeirat begleitet. Er berät die Projektleitung in inhaltlichen und didaktischen Fragen und begleitet die Erstellung des Wissensarchivs. Darüber hinaus stellt er die inhaltliche Qualität der Bildungsveranstaltung im Rahmen des internen Berichtswesens sicher:

  • Stephan Bundschuh (Hochschule Koblenz, Professur in den Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt auf Autoritarismusforschung)
  • Jana Kärgel (BpB, Fachbereich Extremismus)
  • Michaela Köttig (Frankfurt University of Applied Sciences, Professorin für Grundlagen der Gesprächsführung, Kommunikation und Konfliktbewältigung)
  • Finn Sörje (wannseeForum, Koordinator der Politischen Bildung)
  • Bettina Zurstrassen (Universität Bielefeld, Professorin für Didaktik der Sozialwissenschaften)

Ihre Ansprechpartnerin:

anna kraemer webDr. Anna Maria Krämer
Referentin für politische Bildung
Fokus: Diversität

Tel. 06081 912 73 23
Fax 06081 912 73 29

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Literatur

Bechmann, Jutta (2012): Terrorismus: Definitionskontroverse, historische Reflexion und politische Auswirkungen; Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn, S.44ff.

Brunner, Claudia (2009): Wenn die Terrorismusforschung zum Feminismus konvertiert, Zusammenfassung des Vortrags vom 28. Oktober 2009, zuletzt abgerufen am 24.08.2016 unter-http://www.gwi-boell.de/sites/default/files/assets/gwi-boell.de/images/downloads/gwi.hbs.281009.brunner.pdf

Pfahl-Traughber, Armin (2016): Terrorismus - Merkmale, Formen und Abgrenzungsprobleme, in: APuZ, 66.Jahrgang, 24-25/2016, herausgegebene von der BpB, Bonn, S.10-18.

Popitz, Heinrich (1986): Phänomene der Macht, Tübingen.

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